Die Bala-Bata-Bewegung

"Fürchtet euch nicht vor schlechten Bedingungen - Hauptsache, die Kinder wollen lernen." Bei einem meiner ersten Besuche in Indien hat mich Dr. Ranjan Babu, der Gründer und Direktor von CARDS, mit dieser Aussage sehr beeindruckt. Das liegt etwa 20 Jahre zurück. Die Begeisterung der indischen Dalit-Kinder in den Bala-Bata-Nachhilfeschulen mitzuerleben, war damals schon eine wahre Freude. Mit wenigen Bala Batas hat es angefangen. Heute durchzieht ein Netz von über 5.600 Bala Batas Andhra Pradesh von den Dalit-Siedlungen in Großstädten bis in die abgelegensten Dörfer der Adivasi. Und die ansteckende Begeisterung der Kinder und Jugendlichen wächst.

Unter wirklich schwierigen Bedingungen ist es CARDS gelungen eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Die Bala Batas sind dabei weit mehr als "nur" Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung. In den Bala Batas lernen die Kinder ihre "Dalit-Kultur" kennen. Sie lernen Lieder, Trommeln und Tänze und gewinnen dadurch Selbstvertrauen und eine gemeinsame Identität. Sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen gehört zum Bala-Bata-Programm, ebenso wie der Einsatz für Natur und Umwelt und das Wissen über Gesundheit, Hygiene und Ernährung. In den Bala Batas werden die Kinder und Jugendlichen ermutigt zu lernen und sie motivieren sich gegenseitig. Sie sind stolz darauf zur Bala Bata zu gehören, sie haben Ziele und sie wollen lernen! 

Die Bala Batas und ihre DOs

Die "Lehrer/innen" in den Bala-Bata-Schulen heißen DOs = Development Organizers. Dieser Titel verdeutlicht den Stellenwert ihrer Aufgaben. Mit ihrem Engagement organisieren sie Entwicklung. Sie befähigen die einzelnen Kinder zu einer möglichst guten Schullaufbahn. Auch die Familien und das ganze Dorf profitiert davon, wenn die Kinder die Chance erhalten nach einer guten Schulbildung auch in einen guten Beruf einsteigen zu können.

5.600 Bala-Bata-Schulen erfordern eine effektive Organisation. CARDS hat dazu ein Netz von regionalen Betreuer/innen aufgebaut. Die DOs werden in ihren Dörfern von diesen regionalen Koordinator/innen besucht, mit denen sie die Angelegenheiten ihrer Bala Batas und auch Probleme besprechen können. Die regionalen Koordinator/innen werden ihrereseits von CARDS-Mitarbeiter/innen betreut, die jeweils für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind. Auch sie treffen sich regelmäßig zum Austausch. 

Für die DOs gibt es regelmäßige Schulungen, bei denen sie z.B. neue Lieder und Spiele lernen, sich über Lösungsmöglichkeiten für Probleme austauschen und vieles mehr. Die Betreuung der Bala Batas und die Schulung der DOs, wird zum größten Teil durch die Betty-Huber-Stiftung unterstützt.

Die BEST-Clubs - Bala Bata Empowered Students

Nach den Bala Batas geht es weiter. Ehemalige Bala-Bata-Kinder, DOs und Jugendliche, die nach der Bala Bata ein staatliches Internat besuchen organisieren sich in den "BEST-Clubs". Sie werden dadurch weiter in die Arbeit von CARDS eingebunden. Sie "gehen nicht verloren", sondern engagieren sich, damit die Entwicklung weiter geht.

 

  • Internatsschüler/innen besuchen Bala-Bata-Schulen und berichten den Kindern von den residential schools*, um ihnen die Unsicherheit zu nehmen und Mut zu machen.
  • Wenn neue Bala-Bata-Kinder in die residential schools kommen, dann unterstützen sie sie und helfen ihnen.
  • Sie organisieren Eltern-Treffen, in denen sie über die Förderung in den residential schools informieren.
  • Sie helfen bei der Organisation verschiedener Schulaktionen mit, wie z.B. Quiz, Mal- oder Schreibwettbewerbe, Debatten-Wettbewerbe etc.

Die BEST-Clubs treiben darüber hinaus die Dorfentwicklung voran. Ein weiteres Ziel der BEST-Clubs, neben der Stärkung der Dorfgemeinschaft durch Hilfsbereitschaft, ist die Übernahme der Kosten für den DO im eigenen Dorf. Hierdurch wird CARDS von den Kosten entlastet und die Bala Bata kann dann eigenständig, aus eigenen Mitteln und damit dann tatsächlich "nachhaltig" betrieben werden. Diese Umstellung hat begonnen und soll in den nächsten Jahren vorangetrieben werden. Gutsituierte Dalits und ehemalige Internatsschüler, die ein guten Job haben, sollen bei der Finanzierung helfen. Freiwerdende Mittel können zur Einrichtung  neuer Bala Batas verwendet werden.

Child is an instrument of social change

Kinder sind der Schlüssel zum sozialen Wandel

Wie sehr dieses CARDS-Motto zutrifft wird an dem deutlich, was Xaver Huber von einem Besuch 2012 berichtet. Er hat von vielen Gesprächen mit BEST-Club-Mitgliedern Beispiele mitgebracht, wie sich BEST-Clubs in ihren Dörfern engagieren:

  • Für die Behinderten im Dorf einen Behindertenausweis beantragen. Sie erhalten dann eine Rente.
  • Ist der Kanal wegen Regenfällen verstopft oder defekt, zum Bürgermeister des Dorfes gehen und die Reparatur beantragen.
  • Ein Mädchen ging durch das Dorf und erklärte allen, wie wichtig Bildung ist.
  • Reden mit Kindern und Eltern, dass Bildung gegen Kinderarbeit wirkt.
  • Reden mit den Landbesitzern bzgl. Einhaltung der Mindestlöhne
  • Hilfe bei Arbeitsbeschaffung (Food for Work Programm)
  • Hilfe bei Lebensmittelkarten (White Card)
  • Wasserversorgung hat nicht funktioniert, Meldung bei der Stadtverwaltung
  • Hilfe bei Bewerbung um einen Platz bei der Residential School
  • Hilfe bei der Durchführung von Gesundheits-Aktionen (Health Camps)
  • Beantragung von Witwen- und Alters-Renten, evtl. zusammen mit dem ACO (Koordinator)
  • In einem Dorf gab es Wanderarbeiter und nachdem die Familien zurückkamen gingen die Kinder nicht mehr zur Schule. 5 Kinder wurden davon überzeugt, wieder zur Schule zu gehen
  • In der Straße der Dalit-Siedlung gab es keinen Strom. Mehrmals beim Bürgermeister reklamieren, bis dieser tätig wird.
  • Es wurde Geld gesammelt und davon Kleidung für 3 alte Leute gekauft.
  • Bei einem Notfall den Krankenwagen gerufen.
  • Kranke Mütter zum Krankenhaus schicken und die Verwandten benachrichtigen.
  • In einem Fall wurde dreimal eine Investition für eine Betonstraße in der Dalit-Siedlung beim Bürgermeister und beim Abgeordneten gefordert.
  • Schüler/innen aller Stufen, Student/innen und auch bereits berufstätige ehemalige Bala-Bata-Schüler/innen helfen mit. Inzwischen respektieren die Dorfbewohner deren Arbeit und gehen mit ihren Problemen zum BEST-Club.

*Staatliche Internate, die ausschließlich für Dalits und Adivasi eingerichtet wurden

Bericht Margit Nitsche, Fotos Xaver Huber

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