1999 - 2004 - Das Kleinkreditprogramm der "VISION 2020"

Vision2020

 

Where there is no vision people perish - where there is a vision people flourish

Ohne Visionen geht die Menschheit unter - Mit einer Vision blühen Menschen auf

 

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ranjan Babu (Direktor von CARDS) und seiner Frau, Dr. Swarnalatha Devi, wurden in den Jahren 1994-2000 in zahlreichen Dalit-Dörfern Feldstudien durchgeführt. Aufgrund der Analyse der Probleme, die dort herrschten, wurden Ziele festgelegt, die zu einer längerfristigen Verbesserung der Situation beitragen sollten - die Ziele der VISION 2020.

Gesellschaftliche Umbrüche und die schnell voranschreitende Technisierung in Indien führen dazu, dass es für die Dalits oft nicht einmal mehr die schlecht bezahlten Jobs und Tagelohnarbeit  im Straßenbau, im Steinbruch und in der Landwirtschaft gibt, durch die sich die Dalits bisher über Wasser halten können. Diesen düsteren Zukunftsaussichten für die heranwachsende Generation setzt CARDS mit der VISION 2020 konkrete Hoffnungs-Zeichen entgegen.

Die offizielle Eröffnung der VISION 2020 fand am 15. Januar 2000 statt.

Zentraler Bestandteil war das Kleinkreditprogramm für Frauen. Auf Beratung und Schulung der Frauen wurde großer Wert gelegt. In den Jahren 2000 bis 2004 hat das Kleinkreditprogramm von CARDS – eingebettet in das System der Frauenspargruppen (Thriftgroups) vorbildlich funktioniert.

2004 berichtete Prof. Dr. Ranjan Babu zum ersten Mal von Schwierigkeiten, die die Arbeit sehr erschwerten. Verschiedene Finanzinstitute und NGOs verteilten in den ländlichen Gebieten große Geldsummen, ohne Beratung und Information über die hohen Zinsen und die Konsequenzen der Rückzahlung. Damit begann eine verhängnisvolle Entwicklung. Die armen Landarbeiter konnten die Kredite nicht zurückzahlen. Schuldner wurden brutal bedrängt, viele in den Selbstmord getrieben. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen Frauen sich prostituieren mussten um Ihre Schulden zurück zu zahlen. Die Regierung nahm diesen Sachverhalt sehr ernst und hat sehr strikte Gesetze bezüglich der Mikrokredite erlassen. Die Vergabe von Mikrokrediten wurde beschränkt auf Bank-Institute mit speziellen Genehmigungen. Davon war dann auch CARDS betroffen. Die Arbeit mit den Spargruppen musste eingestellt werden.

Teilweise waren bis zu diese, Zeitpunkt schon tragfähige Strukturen geschaffen worde, sodass viele Spargruppen selbständig weiterarbeiten konnten.

Verlauf von 1999 - 2004

Die VISION 2020 möchte bis zum Jahr 2020 durch ein nachhaltiges Einkommensprogramm eine Entwicklung in Gang setzen, an dem 42.420 Dalit-Familien in 420 Dörfern teilhaben können.  

Die VISION 2020 setzt durch Kreditvergabe, Rückzahlung und weitere Vergabe ein positives Schneeball-System in Gang. Dadurch wird die kontinuierliche Einbeziehung einer so großen Zahl von Familien möglich.

 

Vergabe von Kleinkrediten an Frauen in Spargruppen

CARDS hat sich mit der VISION 2020 zum Ziel gesetzt bis zum Jahr 2020 weitere 2020 Dalit-Frauen durch Kleinkredite in die Lage zu versetzen, sich z.B. durch ein kleines Geschäft oder durch den Kauf einer Wasserbüffelkuh eine Lebensgrundlage zu schaffen.

Zur Bewältigung dieser großen Aufgabe wurden von unseren Spendern 2020 x 200 DM (100 €) als Startkapital für eine Dalit-Familie gespendet.

Um einen Kredit zu erhalten, mussten die Frauen Mitglied einer Spargruppe werden und zuerst aus eigener Kraft, eine bestimmte Summe ansparen. Wenn eine Frau diese Voraussetzung erfüllte, musste sie die Gruppe von ihrer Geschäftsidee überzeugen und zwei andere Frauen mussten für sie bürgen.

Eine Wasserbüffelkuh als Hoffnungsträger

Bffel

 

Der Preis für eine Milchkuh beträgt 100 €. Für ihren Kredit kann sich eine Frau eine Wasserbüffelkuh kaufen - eine Anschaffung, die die Situation der Frau und ihrer Familie von Grund auf ändert.

 

Es bedeutet für die Familie:

  • gesündere Ernährung durch die Milch. Für viele Dalit-Familien bisher ein unerschwinglicher Luxus.
  • Einkommen durch den Verkauf der Milch.
  • weitere Einkommensmöglichkeiten durch Aufzucht eines Kalbs.
  • die Kinder müssen nicht mehr arbeiten, sondern können zur Schule gehen.

Der Erwerb einer Wasserbüffelkuh ist somit ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Familieneinkommens.

Der Milchverkauf macht es möglich, den Kredit (+ 2 % Zins monatlich) in 10 Monatsraten zurückzuzahlen. Nach 10 Monaten kann der Betrag von 100 € an eine andere Frau weitergegeben werden.

Eine Spende von 100 € vervielfältigt sich bis zum Jahr 2020

1 x 100 € kommen bis dahin 20 Familien zugute.

2020 Dalitfrauen erhalten je einen Kleinkredit von 100 € zum Kauf einer Milchkuh oder zur Gründung eines anderen Geschäfts, den sie mit 2 % Zins im Monat innerhalb von 10 Monaten zurückzahlen. Nach der Tilgung des Darlehens werden die 100 € an die nächste Frau weitergegeben. Bis zum Jahr 2020 werden an dem sogenannten Income Generating Programm (nachhaltigen Einkommensprogramm) 42.420 Dalitfrauen beteiligt sein.

Die VISION 2020 und ihre Auswirkungen auf das Dalitdorf

Bei der VISION 2020 handelt es sich jedoch nicht nur um ein Kreditprogramm. Durch die Zusammenarbeit der Frauen in den Spargruppen wird das Verständnis und der Einsatz für kommunale Belange und Gemeinschaftsaufgaben gefördert. Die Zinserträge werden z.B. auch zur Förderung der dörflichen Infrastruktur eingesetzt, wie z. B. Gesundheits- und Bildungszentren, Umweltschutzprogramme, Gründung von Jugendgruppen und Lebensmittelkooperativen.

100 € Spende für den Kauf einer Milchkuh

wird somit der Beginn für die nachhaltige Entwicklung einer ganzen Region

In den beteiligten Dörfern hat CARDS mit der Umsetzung der folgenden familienübergreifenden Maßnahmen begonnen:

  • Befreiung aus Kinderarbeit: Für 90.000 Kinder wird der Schulbesuch ermöglicht
  • Alphabetisierungs-Kurse Einrichtung von Erwachsenenbildungszentren, in denen Analphabeten lesen und schreiben lernen.
  • Aufbau von Gesundheitszentren, in denen Dalits mit der Kräuterheilkunde vertraut gemacht werden.
  • Maßnahmen zum Umweltbewusstsein: Schulung von 40.000 Familien in umweltbewusstem Verhalten, wie z.B. Pflanzung von Bäumen, Einrichtung von Biogas-Anlagen und rauchlosen Herden, die die Heizenergie besser verwerten,
  • Verbesserung der Hygiene: Errichtung von Toiletten und Abwasserkanälen.
  • Verbesserung der Ernährung: Anlage von 42.000 Gemüsegärten zur Selbstversorgung mit Obst und Gemüse.
  • Gründung von Jugendgruppen, die durch Aufführungen im Bereich Rollenspiele, Stocktanz und Gesang Bewusstseinsbildung in den Dörfern betreiben.
  • Gründung von Kooperativen, die die Dörfer mit den nötigen Nahrungsmitteln und Grundbedarfsgütern versorgen, damit die Dalit-Familien ihren täglichen Bedarf im eigenen Dorf decken können.
  • Aufbau eines solidarischen Bürgen-Systems zur Kreditabsicherung: Erstmals bleibt eine Familie nicht alleine, wenn sie den Kredit nicht fristgerecht zurückzahlen kann.

Die VISION 2020 Hoffnung für die Kinder der Dalits

Bis zum Jahr 2020 wächst eine neue Generation heran. Ohne Hilfe zur Selbsthilfe sind deren Zukunftsaussichten katastrophal.

Wenn die Mütter durch einen Kredit in die Lage versetzt werden, durch selbständige Arbeit ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften, dann müssen die Kinder nicht mehr arbeiten, sondern können zur Schule gehen.

Bildung ist für die Kinder der Schlüssel zum Ausstieg aus dem Kreislauf der Armut und zur Verbesserung ihrer Zukunft.

Wie kann die VISION 2020 Wirklichkeit werden?

Um die VISION 2020 zu ermöglichen, hat der Verein „Partnerschaft in der Einen Welt – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.“ Ende des Jahres 2000 - 2020 x 200 DM = 404.000 DM (z.T. kreditfinanziert) nach Indien überwiesen. Damit konnte der Prozess zur Verwirklichung der VISION 2020 Anfang des Jahres 2001 in Gang kommen.

Bis Ende 2002 konnten wir die Kredite, die zum Teil auch von Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt wurden, zurückzahlen.

Grundlage der VISION 2020 sind die Frauenspargruppen (Thrift-groups), in denen sich jeweils bis zu 20 Frauen zusammenschließen, gemeinsam sparen und sich die angesparten Gelder gegenseitig als Kredit zu gewähren. Mit viel Erfolg hat CARDS in den Jahren vor Beginn der VISION 2020 bereits 2000 Gruppen gegründet und die Frauen geschult und beraten, die nun mit vielen verschiedenen kleinen Geschäften, Betrieben oder mit Kleinlandwirtschaft ihren Familienunterhalt verdienen können.

Die Anstrengungen der Frauen sind groß, aber die Nachfrage und der Bedarf ist noch weitaus größer. Durch die VISION 2020 können viele weitere Frauen einbezogen werden. Nun steht neben den eigenen Beiträgen der Frauen zusätzliches Geld zur Verfügung, das als Kredit vergeben werden kann.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von CARDS organisieren und betreuen die Arbeit der Thrift-groups. CARDS bildet die Teilnehmerinnen, insbesondere die Leiterinnen aus, organisiert workshops und Fortbildungen und kontrolliert die Bücher.

Wie funktioniert eine Spargruppe ?

Eine Spargruppe (Thriftgroup) setzt sich aus 15-20 Frauen zusammen, die monatlich je 20-30 Rupien sparen. Von der angesparten Summe wird einer Frau, die von der Gruppe ausgewählt wird, ein Kredit bereitgestellt. Dieser Kredit ist innerhalb von 10 Monaten mit 2% Zins pro Monat zurückzuzahlen. Diese Zinsen verbleiben innerhalb der Spargruppe.

Rechenbeispiel: 20 Frauen sparen je 30 Rupien pro Monat

1. Monat: 600 Rs. Sparsumme. Eine Frau kann einen Kredit von 600 Rs. nehmen

2. Monat: 600 Rs. Sparsumme + Kreditrückzahlung von 60 Rs. + Zinsen 12 Rupien. Es steht ein Kredit von 672 Rs. zur Verfügung.

3. Monat: 672 Rs. Sparsumme + 60 Rs. + 10,8 Rs. (1. Kredit + Zinsen von restlichen 540 Rs.) + 67,2 Rs. + 13,4 Rs. (2. Kredit + Zins). Es steht ein Kredit von 823,4 Rs. zur Verfügung.

Durch dieses kontinuierliche Sparen und die Kreditrückzahlung + Zinsen steht der Gruppe ein immer größerer Betrag zur Verfügung. Jede Frau hat ein Sparbuch, in das sie einträgt wann und wie viel sie gespart hat und die Summe ihres Guthabens.

Die Gruppe wählt eine Präsidentin und eine Stellvertreterin, die das Geld einsammeln und verwalten. Sie notieren die Höhe der einzelnen Kredite, wofür der Kredit genutzt wird und die Summe der Rückzahlungen. Außerdem berufen sie die monatlichen Versammlungen ein. Die Gruppen verwalten sich selbst, bekommen aber die Unterstützung von CARDS bei Schwierigkeiten und werden regelmäßig von CARDS-Mitarbeitern/innen besucht.

Die Präsidentinnen und Stellvertreterinnen erhalten ein zusätzliches Training in Kontoführung und über ihre Aufgaben.

Größere Kredite können bei CARDS oder staatlichen Organen beantragt werden. Die Zinsen hierfür betragen monatlich nur 1%.

Struktur der Spargruppen - Zusammenschlüsse

Ziel der VISION 2020 ist es, die Selbstbestimmung und Selbstorganisation der Thrift-Frauen zu fördern. Dazu wurde die einzelnen Spargruppen vernetzt. Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen von 20 Spargruppen bilden eine Kooperative – eine Spargenossenschaft zur gegenseitigen Hilfe. Diese 40 Frauen vertreten die Spargruppen und entscheiden über die Kredite von CARDS.

Die 40 Frauen wählen 9 Frauen in den Vorstand, davon wieder eine Präsidentin und eine Vizepräsidentin. Ihnen wird ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin von CARDS als Geschäftsführer/in zur Seite gestellt.

So eine Spargenossenschaft zur gegenseitigen Hilfe kann eine staatliche Anerkennung beantragen und wird dann staatlich registriert.

30 dieser registrierten Genossenschaften bilden dann mit ihren 90 Vertreter/innen (eine Präsidentin + eine Vizepräsidentin + ein/e Mitarbeiter/in von CARDS je Genossenschaft) eine große Genossenschaft mit ihrerseits Vorstand, Präsidentin, Vizepräsidentin und Geschäftsführer/in)

Das große Ziel von CARDS ist es, dass mehrere dieser großen Genossenschaften eine genossenschaftliche Bank bilden.

Wer entscheidet über Kreditvergabe ?

Bei Krediten innerhalb der Spargruppe entscheiden die Frauen über die Vergabe.

Am Ende des Monats tragen einzelne Frauen ihre Kreditwünsche vor, berichten was sie machen möchten und warum für sie gerade jetzt ein Kredit wichtig ist und benennen zwei Bürginnen. Die Gruppe entscheidet dann gemeinsam, welcher Kredit zu diesem Zeitpunkt die größte Dringlichkeit hat und welcher noch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann. Solange der Kredit läuft, dürfen die beiden Bürginnen keinen eigenen Kredit aufnehmen.

CARDS hat hier kein Mitsprache- bzw. Entscheidungsrecht und kann höchstens beratend zur Seite stehen.

Bei der Verteilung von Krediten von CARDS entscheidet das Vertretungsgremium der Spargenossenschaft zur gegenseitigen Hilfe.

Bei der Verteilung der Gelder der VISION 2020 entscheidet die große Genossenschaft.

Wie wird die Rückzahlung des Kredits sichergestellt ?

Kann eine Frau in einem Monat ihren Kredit nicht abbezahlen, dann müssen dies die beiden Bürginnen übernehmen. Nach Angaben von CARDS geschieht dies aber äußerst selten.

Jede Frau schließt mit ihrem Kredit gleichzeitig eine Art Kreditversicherung ab. Stirbt die Frau während der Kredit noch läuft, wird die Rückzahlung von dieser Versicherung übernommen. Hat die Frau von ihrem Geld eine Büffelkuh gekauft und die Büffelkuh stirbt bevor der Kredit abgezahlt ist, tritt auch die Versicherung ein.

Auswertung der "Vision 2020"

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