GIRL - ein sicheres Heim für Mädchen

Auszug aus dem Adventsbrief 2014

Mittlerweile haben 60 Mädchen hier ein Zuhause gefunden.

Wenn die Mädchen im GIRL ankommen, sind sie traumatisiert vom Verlust ihrer Eltern und der Erfahrung, dass sie unerwünscht sind und es nirgends einen sicheren Platz für sie gibt. Manche lebten eine Zeit lang auf der Straße oder fuhren bettelnd in Zügen durch das Land.

Dieses Schicksal wird Sandhya* (13) und Sunita* (11) erspart bleiben. Nach dem Tod des Vaters 2007, kamen die beiden Schwestern mit ihrer Mutter in Hyderabad bei den Großeltern mütterlicherseits unter. Die Mutter fand Arbeit bei einer staatlichen Gesundheitseinrichtung. Soweit schien alles in guten Bahnen zu verlaufen. Und doch war die Zukunft der Familie bedroht. Jahrelang wurde das Geheimnis gehütet, dass der Vater an AIDS gestorben war. Er hatte auch seine Frau mit HIV angesteckt. Die Krankheit ist inzwischen bei ihr ausgebrochen und nähert sich dem Endstadium.                                                                 * Die Namen wurden geändert.

Sie machte sich größte Sorgen um die Zukunft ihrer Töchter und wollte sie gut untergebracht und versorgt wissen. Über ihre Arbeit erfuhr die Mutter vom GIRL-Mädchenheim. Sie informierte sich ausführlich darüber und brachte schließlich ihre Geschichte vor das Child Welfare Commitee (Jugendamt). Dort erhielt sie die Erlaubnis ihre Töchter im GIRL unterzubringen und begleitete sie selbst dorthin.

Sandhya und Sunita sind seit dem 26.06.2014 im GIRL. Anfangs  waren beide sehr verstört über die radikale Veränderung in ihrem Leben. Die CARDS-Mitarbeiterinnen halfen ihnen, Vertrauen in ihr neues Leben zu gewinnen.

Sandhya ist in guter körperlicher Verfassung, die jüngere Sunita jedoch war beim Eintritt ins GIRL von schwacher Gesundheit. Beide wurden gründlich untersucht und Bhavyashrees Zustand hat sich mittlerweile soweit gebessert, dass auch sie regelmäßig zur Schule gehen kann. Die beiden sind nun froh, im GIRL zu sein.

" Das Essen hier ist gut und sehr lecker. Alle im Heim sorgen sich um uns. Die anderen Mädchen sind wie Schwestern für uns. Wir gehen auch gerne in die Schule, das Lernen macht uns großen Spaß."

Die Eingewöhnungszeit für die Mädchen ist oft nicht leicht, aber nach und nach zeigt es sich immer wieder, dass das Konzept des GIRL greift. Ein geregelter Tagesablauf, Gruppen- und Einzelgespräche, gute Versorgung und liebevolle Betreuung helfen den Mädchen sich einzufinden.

In den oberen Stockwerken des GIRL-Gebäudes sind Schülerinnen des benachbarten Colleges untergebracht. Sie verbringen oft ihre Freizeit mit den Mädchen, spielen mit ihnen und geben Hausaufgabenhilfe. Auch die männlichen Studenten, die auf dem Collegegelände leben, bringen sich ein. So wurde im August "Raksha Bandan" gefeiert, ein indisches Fest der Verbundenheit von Schwestern und Brüdern. Die Studenten brachten als „große Brüder“ den GIRL-Mädchen kleine Geschenke und bekamen von den Mädchen ein kleines, geflochtenes Armband - ein Symbol dafür, dass im GIRL alle ihren Platz in einer großen Familie haben.

Rakhi: Ein Armband als symbolische Verbindung

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Die Familie hat in Indien einen sehr hohen Stellenwert und es werden viele Familienfeste gefeiert. Ein besonderes Fest ist der Feiertag des "brüderlichen Schutzes" -  „Raksha Bandhan“. Er erinnert an das Band, das Bruder und Schwester verbindet und zusammenhält (Raksha bedeutet "Schutz", Bandhan "Verbindung").

Zum Raksha Bandhan, das nach dem westlichen Kalender meist auf Anfang August fällt, knüpfen Frauen und Mädchen ihrem Bruder bunte Armbänder, ein Rakhi, um das Handgelenk. Die Brüder überreichen ihrer Schwester ein kleines Geschenk. Jeder Bruder verspricht seiner Schwester, ihr stets beizustehen und für sie da zu sein, wenn er von ihr gebraucht wird.

Das hinduistische Fest erinnert daran, dass man sich nicht für sich selbst, sondern vor allem für seine Familie Glück und Schutz wünschen sollte. Heute werden die Armbänder auch Freunden und Nachbarn um die Handgelenke gebunden. Die symbolische Verbindung soll an Frieden, Mitgefühl und gegenseitiges Kümmern unter allen Menschen erinnern.

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Für die Mädchen im GIRL war dies ein aufregender Tag, denn zum ersten Mal durften auch sie für ihre „großen Brüder“ ein Band knüpfen. Einige Studenten der CARDS-Colleges haben sich dieser Aufgabe gestellt und übernehmen damit Verantwortung. Für die Mädchen ist das ein gutes Gefühl. Sie stehen nicht mehr allein auf der Welt, sondern haben eine Familie und große Brüder, die zu ihnen stehen und sie beschützen.

Wenn sie nun aus dem GIRL-Mädchenheim auf das College-Gelände hinüber schauen, dann wissen sie, dass dort ihre „großen Brüder“ zur Schule gehen. Das gibt ihnen Sicherheit und Vertrauen kann wachsen.

August 2014

Akshara abyasam im GIRL

Der 14. Juli 2014 war für 9 Mädchen des GIRL-Mädchenheims ein besonderer Tag.

02GIRL-Children singing Deenamma song

Es war ihr Akshara abyasam - ihre Feier zur Einschulung nach indischer Tradition. Sie standen an diesem Tag im Mittelpunkt.

Frank Viswanath, der Vize-Direktor von CARDS und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie einige College-Studentinnen nahmen an der Zeremonie teil.

03Ms.Mary Distributing Note books to Ms.BhavaniDie Kinder werden gesegnet und erhalten ihr erstes Schulmaterial: eine Tafel mit Griffel, Schulbücher und 05one of the Elder sister distributing Note books to Ms.ThulasiHefte.

 

 

 

 

 

 

Zusammen mit ihren „Paten“ schreiben sie ihr erstes Wort auf die Tafel. Die Mädchen gehen nun in die 1. Klasse und lernen dort Lesen und Schreiben.

08Ms.Mary doing Akshara Abyasam to Ms.SaniyaMr.Hrudaya Raj Doing Akshra abyasam to Ms.Navya

09GIRL Care taker Ms.Sreelatha doing Akshara abyasam to Ms.Hemalatha

 

 

GIRL - ein Heim für Mädchen in Not

In dem für 100 Bewohnerinnen geplanten Haus leben zur Zeit 23 Mädchen und ausnahmsweise ein Junge, der Bruder eines Mädchens. Die indische Regierung hat die Voraussetzungen für den Betrieb eines Kinderheimes streng reglementiert, nachdem es Missbrauchsfälle gegeben hat, daher dauert das Genehmigungsverfahren sehr lange. Durch die Arbeit mit diesen Mädchen wird CARDS zeigen, dass die Kinder hier gut aufgehoben sind und gefördert werden und somit auch die Genehmigung erhalten alle Plätze im Haus wie vorgesehen zu belegen.

Die Reisegruppe konnte sich bei einigen Besuchen bereits davon überzeugen. In ihrem Reisetagebuch schreiben sie: "Mit den mitgebrachten Luftballons kommen wir mit den Kindern schnell ins Spiel. Wir werfen uns die Ballons gegenseitig zu. Als Elfriede sich auf den Boden setzt und das Betttuch über ihr Wellen und Wind macht, ist sie im Nu von Kindern umringt. 

Dass es den Mädchen hier gut geht und sie sich wohlfühlen, ist förmlich zu spüren. Auch bei den Ausflügen, die die Reisegruppe gemeinsam mit den GIRL-Kindern unternimmt, merkt man den Zusammenhalt und die gegenseitige Zuneigung.“ (Der Reisebericht kann von der Homepage heruntergeladen oder bei der Vereinsadresse angefordert werden.)

Bis dahin war es ein langer Weg für sie. Die Geschichten der Mädchen sind von Verlust und Gewalt gekennzeichnet. Die Regeln eines Zusammenlebens in einer Umgebung, in der nicht - wie in ihrem bisherigen Leben - das Recht des Stärkeren gilt, sind ihnen fremd. Sie sind nicht in der Lage von heute auf morgen ein Leben mit einem geregelten Tagesablauf zu führen. Mitunter wehren sie sich und erheben Einwände, verstehen nicht, weshalb sie das eine tun sollen und anderes nicht dürfen. In Gruppengesprächen wird mit den Kindern das Für und Wider von Regeln und Vorschriften besprochen und erklärt. Für das soziale Miteinander im GIRL- Home sind die Betreuerinnen Ms. Supria und Ms. Anita verantwortlich.

Daneben spielt auch die schulische Bildung eine große Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass Einzelförderung gepaart mit Gruppenaktivitäten und -gesprächen den Kindern hilft sich für bisher Unbekanntes zu öffnen und sie motiviert zu lernen. Sie erfahren, dass sie die Fähigkeit besitzen eine eigene Sicht der Dinge zu entwickeln, eine eigene Meinung zu bilden und zu erkennen, was sie selbst wollen. In der Gruppe werden auch Probleme einzelner Kinder besprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht.  

In der Freizeitgestaltung werden Sport, Spiele, Musik und Tanz, wie in allen CARDS- Projekten,  als Instrument zur Stärkung des Selbstbewusstseins eingesetzt. So gibt es natürlich auch im GIRL bereits eine beliebte Tanzgruppe, die schon erfolgreich an Schulwettbewerben teilgenommen hat. Auch Ausflüge zum Meer oder in Parks gehören zum regelmäßigen Freizeit-Programm.
Im Jahresbericht schreibt uns Frank Viswanath: "Es ist eine echte Herausforderung, mit diesen heranwachsenden Mädchen zu arbeiten. Es gibt immer wieder neue Situationen und auch Probleme. Trotz allem ist dies für alle ein sehr positiver Lernprozess!"

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