DO Schulung und Bala Bata Body Theatre

 

Heute werden wir uns wieder mit DOs und mit CARDS-Mitarbeiter/innen treffen und eine Bala Bata „in action“ erleben. Nach dem reichhaltigen Frühstück im Hotel mit Idli, Dosa, Erdnuss-Chutney und Sambar gibt es noch einen Kaffee oder Chai. Dann kann es losgehen.

 

Draußen vor dem Hotel sehen wir in schwindelnder Höhe Männer an der Fassade des Hotels hängen und die Wand streichen. An ein dickes Seil ist unten einfach ein Holzbalken angebunden, auf dem sie balancierend sitzen. Sie verdienen am Tag ca. 500 Rupien für diese gefährliche Arbeit. Das ist relativ viel und die Jobs sind deshalb sehr begehrt.  

 

Als wir nach abwechslungsreicher Fahrt in Jagithyal ankommen, haben die DOs schon lange gespannt auf uns gewartet.

 

 

 

Nach der Begrüßung und Vorstellung stehen die DOs auf und das Programm beginnt mit dem Bala-Bata-Versprechen.

Danach berichten einige CARDS-Mitarbeiter uns und den DOs von ihren Erfahrungen.

Ein RCO erzählt, dass er früher als Hütejunge gearbeitet hat. Durch Bekannte hat er von Ranjan Babu erfahren. Sie haben erzählt, dass er Dalits hilft ihr Leben zu verbessern. Sie haben darüber geredet, dass es auch für ihn eine Möglichkeit gibt, die Schule zu besuchen. Er hat es versucht und er hatte Erfolg, weil er in seiner Bala Bata viel gelernt hat. Jetzt hat er eine gute Ausbildung und ist stolz für CARDS zu arbeiten.

Eine junge Frau berichtet, dass ihr Engagement als DO ihr sehr bei ihrer persönlichen Entwicklung geholfen hat. Sie hat gelernt, nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern sich auch um andere zu kümmern. Sie achtet darauf, dass ihre Bala-Bata-Kinder sich waschen, die Haare pflegen und sich ordentlich anziehen. Für die Dalits, die oft als schmutzig und eklig beschimpft werden, ist es wichtig zu zeigen, dass sie auf ihr Äußeres achten. Es ist auch ein Zeichen, dass man sich selbst wertschätzt und achtet. 

Bevor sie DO wurde, war sie sehr schüchtern und jetzt traut sie sich vor uns zu reden.

Wir haben auf unserer Reise sehr couragierte und selbstbewusste DOs getroffen, die unsere Fragen offen beantworteten und begeistert über ihre Arbeit erzählten. Andere DOs waren dagegen sehr schüchtern und aufgeregt. Wir konnten uns nur schwer vorstellen, wie sie mit einem Haufen quirliger Jungs und Mädchen fertig werden können. Die Antwort von Frank Viswanath auf unsere Zweifel war: „Die Schüchternen werden die Besten. Sie brauchen viel Mut und Kraft, ihre Schüchternheit zu überwinden.“

Dann tritt ein älterer Mann ans Mikrophon. Erst als Ratnam uns sagt, dass er 2011 mit einer „culture group“ in Deutschland war habe ich ihn erkannt. Es ist Chandraja, der berichtet, dass er vor 2 Jahren an Krebs erkrankt ist. Er erzählt den DOs, dass er sich Sorgen gemacht hat, wie es mit seinen Bala Batas weitergehen soll und wie er sie trotz seiner Krankheit weiter unterstützen kann. Er freut sich sehr, wenn er jetzt sieht, wie sich die Jugend engagiert und dass es weitergeht mit CARDS und "Babus Ideology". Er ermuntert die DOs, gut zu arbeiten und sich anzustrengen, dann werden sie erfolgreich sein. Er sagt: „Ihr seid die Samen, die Früchte bringen.“

Er selbst war auch zuerst DO, dann ACO, RCO und schließlich DCO. Am Anfang hat er mit den Kindern mit Glaskugeln gespielt, so hat er ihr Interesse geweckt. Durch seine Arbeit bei den Bala Batas haben 170 Schüler/innen eine gute Ausbildung erhalten und haben jetzt einen guten Beruf.

Er ist dankbar, dass Ranjan Babu ihn unterstützt. Die vielen guten Wünsche der "CARDS-Family" geben ihm Kraft.

DO Schulung und Bala-Bata-Themen

 

Nach einem Lied-Vortrag von zwei DOs geht es in Gruppen weiter. So kann jede/r besser zur Wort kommen.

 

 

 

Xaver und Ele diskutieren mit den ACOs und RCOs.

 

Rainer und ich bleiben bei Amarnath, der die Gruppenarbeit der DOs anleitet. In 4 Gruppen werden die folgenden Themen besprochen:

 

 

 

1. Bildung mit Spielen und Liedern in der Bala Bata. Wie kann man Kinder für die Bala Bata motivieren?
2. Anlegen von Küchengärten in den Dörfern
3. Green and clean - sauber und grün in den Dörfern
4. Weitere Themen und Bildungsverfahren

 

Wir beobachten die intensive Arbeit. Jede/r trägt etwas bei und die Plakate füllen sich.

 

 

Anschließend stellen die DOs die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Ein Junge und ein Mädchen trauen sich auf Englisch. Die Beiträge der anderen übersetzt Rajani für uns. Später habe ich um die Übersetzung der Plakate gebeten.

 

Im Hintergrund warten bereits einige verkleidete Kinder auf ihren Einsatz. Die Versammlung hat lange gedauert und sie werden langsam zappelig. Zwei DOs haben mit ihnen zwei body theatres  vorbereitet. Als sie endlich dran sind, starten sie lebhaft und mit viel Spielfreude.

 

 

 

Erstes Body Theatre

Ein böser Junge ärgert die Leute im Dorf, er prügelt sich mit anderen Jungen, er belästigt einen alten Mann und zieht an seiner Hose. Er hat sichtlich Spaß an dieser Rolle und bringt auch die Zuschauer zum Lachen. Wir hatten den Verdacht, dass er dabei wohl auch einige nicht ganz hasenreine Ausdrücke gebraucht hat, denn Rajani unterbrach ihre Übersetzung und lachte verlegen.

Immer wieder beschweren sich die Dorfbewohner bei den Eltern über diesen Jungen. Die wissen gar nicht mehr, was sie mit ihm machen sollen. Schließlich taucht der Junge in der Bala Bata auf und macht auch dort Unfug. Aber anders als erwartet, nehmen ihn die DO und die anderen Kinder trotzdem freundlich in ihrer Mitte auf, sie reden mit ihm und streicheln ihn.

Er lernt schließlich sogar das Bala-Bata-Versprechen. Anfangs hat er seine Schwierigkeiten damit und verspricht sich dauernd. Wir haben zwar nicht verstanden, was er gesagt hat, aber dass es etwas Witziges war, wurde uns aus dem fröhlichen Lachen der Zuschauer/innen klar.

Zuhause erzählt er dann den Eltern von der Bala Bata und was er dort gelernt hat. Die Eltern sind sehr froh darüber, dass er dort gut aufgehoben ist und jetzt nicht mehr die Leute ärgert. Sie bedanken sich herzlich bei der DO.

Dieses Stück zeigt uns die direkte Umsetzung dessen, was die DOs vorher erarbeitet und auf die Plakate geschrieben hatten. Bei früheren Besuchen hatten wir oft gehört, wie stolz die DOs darauf sind, dass sie von den Dorfbewohnern respektiert und geachtet werden. Durch das body theatre haben wir einen der Gründe dafür erfahren.

Beeindruckt hat mich auch, dass dieses Theaterstück keine vorgegebene Handlung hatte, sondern mit sichtlichem Vergnügen von den Kindern selbst erfunden wurde. 

Ob das bei dem nächsten Stück auch so war? Es behandelt ein heikles Thema, das die Kinder aber offensichtlich sehr beschäftigt.

Zweites Body Theatre

Eine junge Frau erzählt ihrem Mann, dass sie schwanger ist. Der will mit ihr sofort zum Arzt gehen, um herauszufinden, ob es ein Mädchen ist. In dem Fall, will er das Kind nicht haben. Die Frau weint und sagt, dass sie das Kind auf jeden Fall behalten will, auch wenn es ein Mädchen ist. Der Mann zieht sie trotzdem mit sich und sie kommen zu einer Ärztin.

Die Ärztin untersucht die Frau und stellt fest, dass es ein Mädchen ist. Als die Frau ihr erzählt, dass ihr Mann kein Mädchen will, geht die Ärztin zu ihm hin und redet ihm ins Gewissen. Sie ermahnt ihn: „Denk daran, dass du selbst ohne eine Frau gar nicht auf der Welt wärst.“ Und sie droht ihm, dass sie ihn anzeigen würde und er bestraft würde, denn es ist verboten Mädchen abzutreiben.

 

Der Mann wird ganz kleinlaut und verspricht, dass er es nicht tun wird. Er wird seine Frau auch besser behandeln und ihr helfen. Er nimmt seine Frau an der Hand und beide gehen nach Hause.

Die Kinder, die sich auf diese Weise mit dem Problem der Mädchen-Abtreibungen auseinandergesetzt haben, werden in ihrer Zukunft anders handeln. Sie lernen auch einen anderen, verständnisvollen Umgang miteinander.

Zum Abschied gibt es noch ein Erinnerungsfoto mit den DOs und der Schauspieltruppe.

 

So war auch dieser lange Tag wieder gefüllt mit vielen Eindrücken und wir kommen müde aber sehr zufrieden und nachdenklich wieder in unserem Hotel an.

Bericht und Fotos Margit Nitsche

 

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