Keine Geburtstagfeier in  Piduguralla?

Je näher wir Piduguralla kommen, desto staubiger wird die Luft. Bäume, Straßen und Häuser sind grau vom Staub der Steinbrüche, die sich kilometerweit erstrecken. Heute besuchen wir die Schule für ehemalige Kinderarbeiter im Zentrum für Kinderrechte (Child Rights Advocacy Centre - CRAC).

 

Wir fahren durch die engen Gassen im Dorf bei Piduguralla, in dem das CRAC liegt. Einige CARDS-Mitarbeiter haben schon auf unseren Bus gewartet und begleiten uns zu Fuß und auf dem Motorrad.

 

 

Plötzlich wird der Busfahrer gewarnt. Ratnam steigt aus. Er und der Lehrer der CRAC-Schule für ehemalige Kinderarbeiter, heben mit langen Stangen ein Stromkabel an, das über die Straße hängt, so dass der Bus drunter durch fahren kann. Durch eine Art „Torbogen“ erreichen wir so unser Ziel.

CRAC - Zentrum für Kinderrechte

Im CRAC werden wir von den Kindern mit einem Tanz-Lied begrüßt. Und natürlich bekommt jeder von uns wieder eine Blütenkette.

 

 

 

Die Kinder stehen Spalier und jedes hat eine Handvoll Blütenblätter, bereit sie über uns zu werfen. Unter einem Blütenregen gehen wir zum Schulgebäude. Alle Kinder tragen ihre Schuluniform, die Mädchen haben ihre Zöpfe mit roten Schleifen hochgebunden.

Wir besuchen die verschiedenen Klassen. Erwartungsvoll und sehr gespannt mustern uns die Augen der Kinder. Sie sind bereit uns ihre Schreibversuche zu zeigen und vorzulesen. Sie singen Lieder und tanzen mit staubigen Füßen und mit viel Freude und Stolz. Spielerisches Lernen, z.B. mit Fingerspielen, Liedern und Tänzen macht ihnen sichtlich Spaß.

Wann hast du Geburtstag?

In der ersten Klasse zeigen uns die Kinder stolz, was sie gelernt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irgendwie kamen wir auf das Thema Geburtstag zu sprechen und fragten die Kinder, wann sie denn Geburtstag haben. Ratloses Schweigen.

 

 

Da musste man anders vorgehen. Mary fragte, wer im Januar Geburtstag hat. Freudig streckten alle Kinder ihre Hände. Das konnte nun auch wieder nicht sein. Unvorstellbar, aber kein Kind wusste, wann es geboren ist. Und das heißt wiederum, dass keines je Geburtstag gefeiert hat. Sehr traurig.

Ratnam erklärte, dass in den abgelegenen Dörfern Geburten häufig nicht registriert werden. Und besonders die Wanderarbeiterfamilien sind schlecht zu erreichen und einzuordnen. Jetzt ist auch klar, warum CARDS solche Probleme hat, für die Student/innen Pässe und Visa für eine Reise nach Deutschland zu bekommen. Sie sind nicht registriert und haben deshalb nicht die nötigen Papiere. Eine Geburtsurkunde zu bekommen ist schwierig.

Als nächstes besuchen wir die älteren Schüler/innen (2. – 5. Klasse), die schon neugierig auf uns warten.

 

 

 

 

 

Auch sie singen und tanzen für uns.

 

Zwei Jungen zeigen uns ihr Projekt. Aus Pappkarton haben sie das CRAC gebastelt.

Was möchtest du einmal werden?

Wir fragen die Kinder, was sie einmal werden wollen. Wieder wollen viele Lehrer/innen oder Doktor werden, manche wollen zur Polizei. Wir fragen, welche Berufe sie außerdem noch kennen. Aber da fallen ihnen keine ein. Was eigentlich nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass es in Indien von der Kastenzugehörigkeit abhängt, welchen Beruf man ausübt. Eine echte Berufswahl ist nur eingeschränkt möglich.

Als wir die Kinder fragen, wo sie später einmal leben wollen, sind sie sich einig, überall anders, nur nicht hier in Piduguralla.

Die Integrationsklasse

Dann war die Integrationsklasse dran. 15 der insgesamt 20 Schüler/innen sind heute da. In der Klasse herrscht eine ruhige Atmosphäre. Die Kinder sitzen im Kreis und haben Spielmaterial vor sich liegen.

 

 

 

Auf das, was sie mit dem einfachen Material gelernt haben, sind sie sichtlich stolz und sie zeigen es uns gern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Mädchen versucht Ringe der Größe nach zu ordnen. Die anderen rufen ihr zu, ob es stimmt oder nicht. Ein älterer Junge schneidet etwas aus. Ein kleiner Junge mit Down-Syndrom ist mit seiner Mutter da. Sie lernt, wie sie mit ihm umgehen kann.

Von Mary erfahren wir etwas über die Geschichten und die Handycaps der Kinder.

 

 

 

 

 

Als wir die Kinder fragen, ob sie hier Freunde haben, tauen sie auf und strahlend stellen sie ihre Freundinnen und Freunde vor.

Nähkurs für die Mütter

Im nächsten Klassenzimmer treffen wir einige Mütter, die einen Nähkurs absolvieren. Alle arbeiten im Steinbruch, tragen Steine und Kohlen zu den Brennöfen. Nach ihrer schweren Arbeit kommen sie noch ins CRAC.

 

Eine Frau näht etwas für ihre 3 Töchter, eine andere arbeitet gerade an einem kleinen Teppich, den sie aus gerollten Stoffresten zusammennäht. Die dritte Frau näht Kissenbezüge. Die Frauen sind sehr froh, dass sie hier die Gelegenheit haben eine Nähmaschine zu benutzen und nähen zu lernen. Wenn sie für sich und ihre Familie etwas selbst nähen können, dann sparen sie dadurch Geld. Und vielleicht können sie auch etwas von den fertigen Sachen verkaufen und damit etwas Geld verdienen.  

Danach gibt es Lunch für uns und wir unterhalten uns mit Ratnam, Mary und dem Lehrer der Schule. Satish ist auch regionaler Bala-Bata-Leiter und nach dem Unterricht, ab 16 Uhr besucht er seine Bala Batas.

Einmal monatlich findet ein Lehrergespräch mit Mary und Pushpa statt. Die Arbeit mit den Kindern im CRAC ist nicht einfach. Viele Kinder kommen unregelmäßig zum Unterricht und müssen immer wieder neu motiviert werden. Für die Lehrer/innen im CRAC bedeutet das einen intensiven Einsatz für die Kinder. Die meisten Eltern kommen als Arbeitsmigranten aus der Gegend von Macherla oder Guntur. Das bedeutet, dass die Familien mit ihren Kindern nicht durchgängig in Piduguralla wohnen und deshalb der Schulbesuch immer wieder unterbrochen wird.

Gegen 15 Uhr werden die Kinder von den typischen kleinen, gelben Taxis abgeholt und winken uns fröhlich zu.

 

 

 

 

 

Wir verabschieden uns und fahren durchs Dorf, an den Steinmauern und staubigen Bäumen und Sträuchern vorbei - aus den Höfen winken uns die Kinder nach, einige noch in ihrer Schuluniform.

Wir lassen das staubige Piduguralla hinter uns und fahren vorbei an Chili- und Baumwollfeldern Richtung Pinelli.

Bericht und Fotos Margit Nitsche

 

 

 

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