Was sind Dalits?
Was sind Dalits?
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DALIT sein, heißt durch die Geburt verurteilt
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Nicht länger Solidarität
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Skizze der Sozial- und Kulturordnung Indiens |
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Das Kastensystem
Das Kastensystem basiert auf dem Hinduismus. Die einzelnen Kasten „entstanden“ aus den verschiedenen Körperpartien des allumfassenden Hindugottes Brahma. Aus Brahmas Kopf entstand die Priesterkaste, aus seinen Schultern die Kriegerkaste, aus seinem Bauch die Händlerkaste und aus seinen Beinen die Bauern- und Handwerkerkaste. Die Dalits stehen außerhalb/ unterhalb des Kastensystems und damit der Gesellschaft. Sie stammen nicht vom Gott Brahma ab und werden daher als wertlos und unrein betrachtet.
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| Unberührbarkeit |
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Keine Spuren hinterlassen: Mit einem Besen die Spuren verwischen.
Die Straßen nicht „verunreinigen“: Einen Spucknapf bei sich tragen.
Keinem Höherkastigen zu nahe kommen. Schon durch den Schatten wird er „verunreinigt“: Sich mit Klappern und Rufen bemerkbar machen, dass niemand einem zu nahe kommt.
Ein Unberührbarer, darf nur Kleider von Toten tragen. darf keine Schuhe tragen. darf sich nicht mit einem Schirm vor der Sonne schützen. darf einem Höherkastigen nicht aufrecht ins Gesicht sehen. ... |
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So war es Früher - Aber auch Heute noch stehen die Dalits buchstäblich am Rande der Gesellschaft: In abgesonderten Wohngebieten, in verachteten Berufen, verurteilt zu einem Leben in Armut. |
Nicht länger unberührbar !"Unberührbar" zu sein, ist ein Makel mit dem man geboren wird. Über viele Jahrhunderte haben die Kastenlosen ihren Status als "Unberührbare" verinnerlicht. Sie haben die Schande ihrer Geburt und ein Leben in Armut, Unterdrückung und Not als unvermeidliches Schicksal ertragen. „Dalit“ bedeutet dagegen: unterdrückt, zertreten, geschlagen und bezeichnet damit ein Unrecht, das jemandem von außen angetan wird. Sich selbst als Mensch zu begreifen und nicht länger als unberührbar akzeptieren, ist für den einzelnen und erst recht für die Dalits allgemein ein langwieriger Prozess. Eine wichtige Rolle, diesen Prozess in Gang zu setzen, spielten christliche Missionare, die die „Unberührbaren“ mit anderen Augen sahen und ihnen erstmals Zugang zu Bildung verschafften. |
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Das Kastenwesen und seine geschichtlichen Hintergründe Das Kastenwesen ist eines der Hauptmerkmale der indischen Gesellschaft. Die gesellschaftliche Stellung wird durch die Kaste bestimmt. Der Mensch wird in eine Kaste hineingeboren und bleibt dort ! In Indien trägt jeder die Zeichen des Lebensbereiches, dem er angehört, an sich. Durch seine Kleidung und seinen Schmuck, durch das Zeichen seiner Kaste und seines Gewerbes, ist er auf den ersten Blick erkennbar. Die unverheiratete Frau, die Gattin, die Witwe trägt ein kennzeichnendes Gewand. Jeder Mensch steht in einer klar umrissenen Ordnung festgelegter und sorgfältig befolgter Normen und Tabus. Was man essen und nicht essen, was man suchen und was man meiden, mit wem man verkehren, speisen und sich verheiraten soll, all diese persönlichen Angelegenheiten sind genau geregelt, und sowohl versehentliche wie absichtliche Übertretungen werden streng geahndet. Außerhalb des Kastensystems und damit außerhalb der menschlichen Gesellschaft stehen die Kastenlosen. Die Sogenannten „Unberührbaren“. Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 ist die „Unberührbarkeit“ offiziell von der indischen Regierung abgeschafft, die Kasten und Normen sind jedoch auch heute noch wirksam und bestimmen die Entwicklung des Staates und der Gesellschaft. Ursprünglich aus vier Kasten (Brahmanen = Priester, Kshatrias = Krieger und Könige, Vyshas = Händler und Kaufleute und Shudras = Bauern und Handwerker) entstanden, gibt es heute über 5.000 Kasten, die im Laufe der Jahrhunderte durch Aufsplitterung der einzelnen Kasten zustande kamen. Die Kaste bestimmt das Schicksal eines jeden Inders von Geburt an, die Wahl des Ehepartners wie auch der Beruf sind vorbestimmt. Um den Einfluss des Kastenwesens auf das heutige Indien besser verstehen zu können, hilft ein Blick in die indische Urgeschichte, wo die Grundlagen der heutigen Kastengesellschaft gelegt worden sind. In den Jahren 2.500 - 1.750 vor Chr. finden wir das erste staatliche Leben in Indien. Aus dieser Zeit fand man im Industal Überreste von Städten, die auf eine städtische Hochkultur, ähnlich der der Inkas und Mayas in Südamerika, schließen lässt. Das Indusvolk war hoch entwickelt, besaß eine eigene Sprache und Religion, die Städte waren für diese Zeit sehr fortschrittlich (Häuserbau, Kanalisation etc.). Als Vorfahren des Industalvolkes werden heute drawidische Völker angenommen. Neben dem Indusvolk existierten verschiedene "tribals" (Stämme), die hauptsächlich in den tropischen Regenwäldern lebten. Die Hochkultur des Industales erreichte ihre Blütezeit im 18. Jh. vor Chr., kurz darauf ging sie aus bisher nicht geklärten Gründen unter. Mit der Einwanderung der arischen Völker (1.700 - 1.400 v. Chr.), die vom Ural her in den Norden Indiens kamen, brach in Indien eine neue Zeit an. Die arischen Einwanderer waren hellhäutige Krieger, die von ihrer Kriegsausstattung her dem Indusvolk weit überlegen waren, aber von der Bildung eines Staates noch wenig Ahnung hatten. Von Anfang an entstanden in den Augen der Arier zwei Gruppen: Arier und Nichtarier, aus denen sich später Kasten entwickeln sollten. Zur Legitimation ihrer Macht bestimmten die Arier drei Hauptkasten: Die Priester, die neben den Königen und Kriegern einen großen Einfluss auf den Staat der Arier hatten, und als dritte Kaste die Händler, Geschäftstreibenden und Großgrundbesitzer. Zwischen den Priestern und den Kriegern bestand eine zweck-notwendige Abhängigkeit: Die einen besaßen geistige, die anderen kriegerische Macht. Beide Gruppen setzten sich durch ihre Macht und das Privileg, die heiligen Schriften lesen zu dürfen, von der dritten Kaste ab. Aus den Drawiden, die diesen kulturellen Einfluss sowie die Religion der Arier akzeptierten, entwickelte sich eine neue Gruppe: die Shudras (Handwerker, Sklaven, Bauern). Sie galten als von den Ariern erobert und waren gut genug, den anderen drei Gruppen im gemeinsamen Lebensraum die Dienstleistungen beizusteuern. Sie hatten nicht das Recht auf eigene religiöse Schriften und durften nicht opfern. Sie waren durch Unterwerfung minderwertig. Aus einer weiteren Gruppe, die die arische Religion (Hinduismus) und Kultur nicht akzeptierte, entstanden die Kastenlosen. Jene standen außerhalb des Hinduismus und hatten weder religiöse noch politische Rechte. Sie waren verstoßen und verrichteten von da an die Arbeiten, die ein Hindu nicht mit seiner Religion vereinbaren konnte und wollte. Sie arbeiteten z.B. als Wäscher, Latrinenreiniger, Müllbeseitiger, Schuster und vor allem Landarbeiter. Im Lauf der Zeit veranlasste der Druck der Gesellschaft die Kastenlosen, den hinduistischen Glauben anzunehmen oder später auf andere Religionen (Islam, Christentum) auszuweichen. Die zentralen Inhalte des Hinduismus sind der Glaube an die Wiedergeburt (Reinkarnation) und die Vorherbestimmtheit des Schicksals (Karma). Ziel eines jeden Hindus ist daher die Führung eines gesetzestreuen Lebens, um eine Kaste höher wiedergeboren zu werden. Der Glaube an das Karma erlaubt es einem Hindu nicht, sich gegen unwürdige Zustände in seinem jetzigen Leben zu wehren. Bis heute verhindert das Kastenwesen dadurch die Entwicklung einer chancengleichen Gesellschaft. Die Leidtragenden dieses Systems sind die Kastenlosen, die heute ca. 25 % der Bevölkerung ausmachen. 90 % der Kastenlosen lebt auf dem Land. Dort wurden und werden sie von den höherkastigen Grundbesitzern als billige Arbeitskräfte ausgenutzt. Sie müssen mit einem minimalen Einkommen ihre Familien ernähren. Die wenigsten der Kastenlosen haben eine Schulbildung, durch die schlechten hygienischen Verhältnisse sind Krankheiten und Seuchen weit verbreitet. Die Aufhebung des Kastensystems nach der Unabhängigkeitserklärung Indiens hat sich hauptsächlich In den Großstädten durchgesetzt, auf dem Land - und Indien besteht fast nur aus ländlichen Gebieten - hat sich wenig geändert. "Mit der Entwicklung einer modernen Gesellschaft ist das Kastenwesen völlig unvereinbar, reaktionär und eine Barriere gegen jeden Fortschritt. In seinem festgefügten Rahmen kann es keine Chance für Gleichheit geben, noch kann politische Demokratie und noch weniger wirtschaftliche Demokratie entstehen." (J. Nehru, 1. Premierminister Indiens) Die Unterdrückung der drawidischen Urbevölkerung durch die arischen Eroberer zieht sich wie ein roter Faden durch die indische Geschichte, und setzt sich heute in der Ausbeutung der land- und kastenlosen Dalits durch die Kastengesellschaft fort.
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