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Der Verein - Partnerschaft in der einen Welt - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.
Unser
Verein wurde 1986 gegründet und hat inzwischen 150 Mitglieder in fast
ganz Deutschland. Sitz unseres Vereins ist Sinsheim und im Umkreis von
Sinsheim - Bad Rappenau - Mosbach, also Kraichgau und kleiner Odenwald,
ist auch die Mehrzahl unserer Mitglieder zu Hause.
Selbstverständnis des Vereins – unsere Ziele
- gegenseitiger Lern- und Austauschprozess durch persönliche
Begegnung, Gespräche und Erfahrungen bei Besuchen, gegenseitiges Interesse, Pflege persönlicher Beziehung. Partnerschaft, nicht
Patenschaft.
- Solidarität mit Dalits, das Kastensystem verstehen und bei
uns darüber informieren. Verständnis für Sozialstrukturen wecken. Bewusstsein
bilden.
- Engagement für mehr Gerechtigkeit, Menschenrechte, Anerkennung und Wertschätzung für Dalits.
- Hilfe zur Selbsthilfe. Durch Spenden den Aufbau von
Projekten ermöglichen, die in Indien entwickelt und eigenständig durchgeführt
werden. Vertrauensvolle und kritische Begleitung. Ziel ist die Selbständigkeit,
Unabhängigkeit von CARDS.
- CARDS und der Verein sind kirchlich und politisch
unabhängige Organisationen.
- CARDS ist christlich-ökumenisch orientiert. Christliche
Motivation hat für viele Mitglieder des Vereins eine Bedeutung
Die Mitglieder des Vorstands
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Steffi König (1. Vorsitzende)
Ria Paulus (2.Vorsitzende)
Siegfried Funk (Kassenwart)
Dieter Eitel (Beisitzer)
Sabine Danner (Beisitzerin)
Peter Moser (Beisitzer)
Hans-Eckhard Bucher (Beisitzer)
Richard Nitsche (Beisitzer)
Margit Nitsche (Schriftführerin)
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Was ihr
getan habt einem von
meinen
geringsten Geschwistern,
29. August 2007 das habt Ihr mir getan. Matthäus
25,40
Dalit is
dignified – Dalit sind würdevoll
Wir trauern um unseren Freund
und Ehrenvorsitzenden
Arnold Paulus
Ungerechtigkeit hat ihn nicht ruhig gelassen.
Die Unterstützung der friedlichen Überwindung des indischen
Kastensystems durch Bildung war eines der wichtigsten Anliegen seiner letzten
Lebensjahrzehnte.
Er konnte Menschen von der Sache der Dalits überzeugen und
neue Mitstreiter gewinnen. So gründete er 1986 unseren Verein und schuf damit
die Basis für eine weitere Vertiefung der Freundschaft und der Unterstützung
für CARDS.
Sein christlicher Glaube war ihm Richtschnur und Ansporn.
Sein Vorbild und seine Ermutigung
werden uns weiter begleiten.
Partnerschaft in der Einen Welt Community and Rural
- Hilfe zur Selbsthilfe e.V,
Sinsheim Development
Society, Indien
Steffi König, Vorsitzende Dr. P. Ranjan Babu,
President
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Die Geschichte des Vereins „Partnerschaft in der Einen Welt
- Hilfe zur Selbsthilfe e.V.
Dorfentwicklung mit indischen Dalits“
Eine Geschichte der Begegnung zweier Welten.
1. Wie alles begann: Lydia Faul erzählt von den Anfängen
2. Das Interview: Persönliche Erinnerungen
von Arnold und Gertrud Paulus
3. Die nächste Generation: Steffi König, die neue 1. Vorsitzende
stellt sich und den Vorstand vor
1. Wie alles begann
Lydia Faul erzählt von den Anfängen:
Irgendwann
im Jahre 1980 erhielt ich einen Anruf von meinem Freund Dr. Rudolf
Buntzel vom Evangelischen Bauernwerk in Hohebuch. Er fragte mich, ob
die Bauernschule Nordbaden Lust hätte, ein Austauschprogramm mit einer
kleinen indischen Dorfentwicklungsgesellschaft durchzuführen. Er hatte
den Leiter dieser Gruppe bei einem Austauschprogramm auf den
Philippinen getroffen. Seine eigene "Bauernschule Hohebuch" war bereits
mit einem anderen Austauschprogramm ausgelastet.
Ich
war in diesem Sommer in Sri Lanka gewesen und fand diese Idee sehr
verlockend. Unser Schulleiter, Herr Albert Emmerling war selbst schon
mit einer Reisegruppe in Indien und fand die Idee ebenfalls sehr
interessant. Er stimmte unter zwei Bedingungen zu:
1. Ich müsste einen Kooperationspartner unter den regionalen kirchlichen Bauernorganisationen finden.
2. Ich müsste das Programm selbst leiten, da sein Englisch nicht gut genug sei.
Einer der Pfarrer, mit denen wir zusammenarbeiteten, Friedrich Wernz,
fragte die Leiter der KDL-Regionalgruppen (Kirchlicher Dienst auf dem
Land). Die Bauern aus unserer direkten Umgebung schienen nicht sehr
daran interessiert, wohl aber Arnold Paulus vom Arbeitskreis
Kraichgau.
Im
Juli 1980 begann ich mit den Vorbereitungen. Um die Finanzierung zu
sichern, verwies uns Dr. Buntzel uns an den ABP (Ausschuss für Bildung
und Publizistik) der evangelischen Kirche Deutschlands.
Zwischenzeitlich
wechselte Dr. Buntzel zu einer anderen Stelle. Glücklicherweise
unterstützte uns auch der neue Mann in Hohebuch, Dr. Rüdiger Stegemann.
Unser Programm sah vor, dass sieben indische Teammitglieder im Mai/Juni
1981 nach Deutschland kommen sollten. Sie würden einen Einführungskurs
in der Bauernschule Nordbaden in Tauberbischofsheim bekommen und dann
zu den verschiedenen Gastfamilien gebracht werden.
Am
21. Mai 1981 war es soweit. Sieben Männer kamen auf dem Frankfurter
Flughafen an. Ihre Namen waren George, Lazarus, Mohan Rao, Nagendra
Rao, Ranjan Babu, Viswanadam und Yohan. Ihre Gastfamilien waren die
Familien Filsinger, Flach, Hecker, Holzwarth, Huber, Kern, Paulus,
Schall und Simmel.
Monika Schwarz, eine junge Sozialarbeiterin, die
gerade in der Bauernschule als Praktikantin arbeitete, half sehr viel,
die verschiedenen Familien zu betreuen. Alle Familien hatten
Landwirtschaft und in dieser Zeit sehr viel zu tun. Die indischen Gäste
wurden mit auf die Felder genommen und halfen vor allem beim
Zuckerrüben hacken. Nach einem langen Arbeitstag trafen sich
Gastfamilien und Gäste noch irgendwo, um über ihre Erfahrungen zu
sprechen und uns von ihrem Alltag in Indien zu erzählen. Wir hörten zum
ersten Mal vom Leben mit dem Kastensystem und wie die sogenannten
"Unberührbaren" misshandelt und ausgebeutet wurden. Wir haben viele
Abende damit zugebracht, diese für uns unglaublichen Dinge zu hören.
Als die Inder sich verabschiedeten, wussten alle Teilnehmenden, dass
dies eine Erfahrung war, die wir ein Leben lang nicht vergessen würden.
Am
5. Januar 1982 startete die deutsche Gruppe, bestehend aus Günter
Emmert, Liese Filsinger, Fritz Mayer, Arnold und Gertrud Paulus, Monika
Schwarz, Ilse Schneider und Lydia Faul zu einem Gegenbesuch nach
Indien. Wir kamen damals nach Siripudi und verbrachten eine
interessante Zeit mit unseren indischen Freunden. CARDS hatte sein Büro
in Ponnur und dort lebten wir zusammen mit der Familie von Direktor P.
Ranjan Babu. Wir besuchten die Dörfer, in denen die Sozialarbeiter
wohnten und arbeiteten. Wir sahen das "Body theatre",
das so wichtig war, um die Botschaft von Gleichheit und Gerechtigkeit
unter den Kastenlosen zu verbreiten, die größtenteils Analphabeten
waren. Wir sahen, wie sich bemühten, die Methoden der ländlichen
Entwicklungsarbeit zu verbessern. Herr Ranjan Babu hatte die Methode
von Paolo Freire, dem großen brasilianischen Lehrer und
Entwicklungspädagogen, an den indischen Alltag angepasst.
Wir
besuchten Schulen, in denen CARDS Englisch-Unterricht anbot, um diese
auch für höherkastige Eltern attraktiv zu machen. Eine Schule ohne
Kastenschranken war eine der Visionen von Direktor Ranjan Babu.
Wir
trafen auch den Präsidenten und einige Vorstandsmitglieder von CARDS
und hatten einen guten Meinungsaustausch.
Im September 1983 besuchte ich Indien noch einmal auf eigene Faust. Ich begleitete
die
CARDS Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in die Dörfer und wir
veranstalteten ein Seminar in Mangalagiri. CARDS plante damals, das
Büro an diesen Ort zu verlagern, der bis dahin eine Schule war, die von
katholischen Nonnen geleitet wurde.
Das
Wichtigste waren jedoch die Diskussionen mit Ranjan Babu. Er erzählte
mir von seiner Vision, ein Junior College für die Jugendlichen aus den
Dörfern einzurichten. Neben dem normalen Schulunterricht wollte er
ihnen Kenntnisse beibringen, die sie für die ländliche
Entwicklungsarbeit in ihren Dörfern nutzen konnten. Er sagte mir auch,
dass er schon mit verschiedenen Hilfsorganisationen darüber gesprochen
hatte, jedoch hatten alle eine Unterstützung mit der Begründung
verweigert, dass Schulbildung eine Aufgabe der indischen Regierung sei.
Ich hatte jedoch das Gefühl, dass es sehr wichtig für Ranjan Babu wäre,
dieses Projekt zu beginnen. Er sage mir, dass er sogar schon einen
Bauplatz für das geplante College in Aussicht hätte. Sein Vater hatte
ein Reisfeld in der Nähe des Dorfes Phirangipuram gepachtet, das zu
verkaufen wäre. Er wollte es mir gerne zeigen. Unglücklicherweise hatte
ich mir den Fuß vertreten, so dass ich fast nicht laufen konnte. Ich
wurde in den Bus nach Phirangipuram gesetzt und Ranjan Babus Vater,
Herr Viswanadam, holte mich mit einem zweirädrigen Büffelkarren ab. Ich
kletterte mühsam hinein und Viswanadam zeigte mir alles. Er machte mir
auch klar, dass dies eine einmalige Gelegenheit sei, weil es für Dalits
sehr schwer sei, überhaupt Land kaufen zu können.
Wieder
zuhause, besprach ich meine Erfahrungen und die neuen Ideen von Ranjan
Babu mit den Freunden vom KDL, vor allem mit Arnold Paulus und Albert
Emmerling. Wir beschlossen, einen Spendenaufruf an den KDL und die
Altschülergemeinschaft der Bauernschule zu richten. Wir erhielten etwa
25.000,-- DM, was ausreichte, um das Feld zu kaufen und die ersten
beiden Gebäude zu errichten. Der neue Campus erhielt den Namen "Rural Christian Junior College Deenapur" (Ländliches christliches Juniorcollege Deenapur) und begann im Juli 1984 mit 14 Studenten.
Eine
weitere wichtige Entwicklung begann, als die ersten Praktikanten nach
Indien zu CARDS kamen. Sigrun Landes und Yvonne Bär aus Öhringen waren
1984/1985 dort. Sie waren sehr beeindruckt von den verschiedenen
Straßentheater-Szenen, die von den CARDS Teams in den Dörfern
aufgeführt wurden, um ihre Botschaft zu verkünden. Sie machten den
Vorschlag, eine solche Gruppe einzuladen und bei uns in
Kirchengemeinden und anderen Orten auftreten zu lassen. Wieder gab uns
Dr. Rudolf Buntzel den Rat, beim ABP wegen einer finanziellen
Unterstützung eines solchen Programmes nachzufragen. Dies wurde
genehmigt und das erste Austauschprogramm mit einer Theatergruppe fand
vom 16.6. bis 13.7.1985 statt. Sabine Meier und Susanne Landes waren
dann im Sommer 1986 in Indien, ihnen folgten dann Steffi König, Bettina
Vossbeck, Hildegard Fuchs und Friederun Horsch in 1986/1987.
Schließlich
wurde am 16.6.1986 der Verein "Partnerschaft in der Einen Welt - Hilfe
zur Selbsthilfe e.V. in der Bauernschule in Mosbach-Neckarelz
gegründet.
2. Das Interview
Anlässlich
des 25jährigen Jubiläums von CARDS wurde bei einem Interview im Garten
der Familie Paulus in Ehrstädt die Vereinsgeschichte beleuchtet und
aufgeschrieben.
Beteiligt waren
Arnold Paulus: Vorsitzender des Vereins seit der Gründung im Jahr 1986, jetzt Ehrenvorsitzender
Gertrud Paulus: Ehefrau von Arnold, Vereinsmitglied und Fachfrau für indische Küche
Ria Paulus: Seit 1998 Vorstandsmitglied, seit 2000 - 2. Vorsitzende des Vereins
Margit Nitsche: Schriftführerin des Vereins seit 1989
Erste Kontakte
Margit:
Arnold, du erzählst ab und zu etwas von den ersten Kontakten mit CARDS
und von den Anfängen des Vereins. Wer wie Ria und ich erst später dazu
gekommen ist, erfährt immer wieder mal ein weiteres Bruchstück. Wie ist
denn nun die ganze Geschichte – wie kamen Menschen zusammen, deren
Leben sich so weit voneinander abspielt und wie hat sich alles
entwickelt?
Ria:
Mein erster Berührungspunkt war 1983. Ich war zum ersten Mal bei der
Familie meines Freundes Walter zum Essen eingeladen. Es gab indisches
Essen. Walter hatte mir erzählt, dass seine Eltern Gertrud und Arnold
Paulus in Indien waren. Das war schon sehr ungewöhnlich. Wenn sonst
jemand nach Indien gefahren ist, dann waren das junge Leute kurz nach
dem Abi. Und die sind dann nach Goa oder nach Poona oder so. Und jetzt
waren es die Eltern von meinem Freund. Es gab Reis - scharf, ein
Fleischcurry, ein Gemüsecurry und Joghurt und dann - essen mit den
Fingern. Auf Bananenblättern. Das war für mich sehr exotisch.
Das
Gesprächsthema war natürlich Indien. Arnold hat erzählt und erzählt.
Mir hat das erst mal wenig gesagt. Ich hatte zwar in der Schule schon
etwas über das Kastensystem gelernt, aber dabei denkt man, das ist halt
so, was soll ich da machen? Indien ist so weit weg und was
Unberührbarkeit, Karma und Darma, für Auswirkungen auf das Leben der
Menschen hat , das kann man sich nicht vorstellen.
Margit: Gertrud und Arnold, wie seid ihr beiden eigentlich zu CARDS gekommen?
Arnold:
Ja das dürfte so 1980/82 gewesen sein. Ich erinnere mich, dass ich bei
einer Familienfreizeit in Wilhelmsfeld zum ersten Mal etwas von CARDS
gehört habe. Bei einem Spaziergang hat mir Rolf Foos - der damals
theologischer Mitarbeiter in der Bauernschule war - erzählt, dass die
Bauernschule Leute von einer indischen Selbsthilfeorganisation einladen
wollte. Und er hat mich dann direkt gefragt, ob ich Möglichkeiten
hätte, 7 Inder für 3½ Wochen in landwirtschaftlichen Familien
unterzubringen.
Ich war damals im Rahmen der „Kirchlichen Dienste
auf dem Land“ der badischen Landeskirche, Vorsitzender des
„Arbeitskreises Kraichgau“. In unserem Kreis waren 25
Landwirtsfamilien, durchweg aufgeschlossene Leute. Aber als ich die
Anfrage dorthin weitergab, hat dieses Ansinnen zunächst einmal
ziemliches Entsetzen ausgelöst, weil keiner sich so genau vorstellen
konnte, was man denn mit einem Inder in einem landwirtschaftlichen
Betrieb im Kraichgau anfangen soll.
Und als dann Herr Emmerling, der damalige Leiter der Bauernschule und
Lydia Faul zu uns in die Sitzung gekommen sind und uns das genau
erklärt haben und wir auch noch erfahren haben, dass das keine
Landwirte in unserem Sinn, sondern landlose Landarbeiter aus der
Schicht der Unberührbaren sind, die z.T. noch nicht einmal englisch
sprechen würden, da war unsere Ratlosigkeit noch größer. Es hat einige
längere Diskussionen gebraucht, bis wir schließlich ja gesagt haben.
Margit:
Wenn du das so schilderst, kann man sich gut vorstellen, dass es nicht
einfach war, sich auf diese Situation einzustellen.
Arnold:
Das kann man so sagen. Aber als die Inder dann da waren, gab es kaum
Probleme. Wir haben jeweils 2 Inder in einer Familie untergebracht,
damit sie sich unterhalten konnten. Das hat sich auch als richtig
erwiesen. Es kamen vier Landarbeiter, ein Sozialarbeiter, das war
Lazarus und Viswanadam, ein pensionierter Lehrer, P. Ranjan Babus
Vater. Der 7. war Ranjan Babu.
Ria: Lazarus kennen wir doch auch aus dem AIDS-Projekt.
Arnold:
Ja, das hat er mit aufgebaut. Er war damals gerade mit seinem Studium
fertig. Babu war alleine in einer Familie. Da die Inder nach der Hälfte
ihrer Aufenthaltszeit zu einer anderen Familie wechselten, brauchten
wir dann insgesamt 8 Familien. Wir waren wirklich froh, dass es uns
damals gelungen ist. Und es ging erstaunlich gut. Eine große Hilfe war,
dass Monika Schwarz, die damals Mitarbeiterin in der Bauernschule war,
mit ihren guten Englischkenntnissen die ganze Zeit zur Verfügung stand.
Was machen die Inder im Kraichgau?
Dann
sind sie angekommen, im Mai 1981. Als wir sie das erste Mal gesehen
haben, mit Sandalen und Dhoti, genauso wie sie in Indien ins Flugzeug
gestiegen sind, da waren wir schon leicht sprachlos.
Ria: Von diesem Besuch gibt es auch historische Aufnahmen.
Arnold:
Wir haben ihnen dann Gummistiefel und feste Schuhe besorgt, und auch
Latzhosen, damit sie passend für die Arbeit auf den Feldern gekleidet
waren. Es war alles recht lustig.
Gertrud:
Ja, und auch ziemlich ungewohnt. Wir waren damals noch auf dem
Eulenhof, auf dem Arnold zu dieser Zeit noch als Gutsverwalter
gearbeitet hat. Ich kann mich erinnern, dass unsere Besucher aus Indien
immer sehr früh auf waren und geduscht haben. Ich habe gestaunt, wie
sie sich auf alles eingestellt haben. Der Yohan, einer unserer
indischen Gäste, hat geholfen den Tisch abzudecken. Er hat sogar die
Spülmaschine eingeräumt. Er hat genau aufgepasst, wie ich es mache und
konnte sie dann zum Schluss auch selbst einschalten. Und als er und
Viswanadam gesehen haben, wie ich den Garten gegossen habe, haben sie
mir gleich geholfen. Überhaupt waren alle sehr geschickt, haben alles
genau betrachtet und haben dann überall mit angepackt. Ich habe mir
gedacht, wenn ich nach Indien komme, traue ich mich das nicht, weil ich
ja nicht weiß, wie die Dinge dort ablaufen.
Arnold:
Man hat eben versucht, ihnen alles zu zeigen. Sie waren total von den
Socken, dass ein Landwirt, der 50 ha Land bewirtschaftet und 30-40 Kühe
im Stall hat, wie z.B. der Wolfgang Huber, dass der jeden Tag arbeitet
- und seine Frau auch. Das war für sie undenkbar, das kannten sie ja
gar nicht. Anfangs haben wir das gar nicht kapiert, was das für die
Inder eigentlich bedeutet, dass das in Indien nicht so ist, dass ein
Landlord selbst arbeitet. Es war für beide Seiten ein enormer
Lernprozess. Das war wohl auch der Hauptgrund, dass schließlich alle
begeistert von dem Austausch waren, trotz Sprachschwierigkeiten und kulturellen Unterschieden.
Da
gibt es schon tolle Geschichten: Den Yohan habe ich beim Rüben hacken
einmal auf den Schlepper gesetzt. Ein Mitarbeiter des Hofes, der hinten
die Hackmaschine steuerte, war ganz verzweifelt, wenn Yohan vorne zu
nah an die Rüben gefahren ist. Yohan war der einzige der Gruppe, der
noch in Schuldknechtschaft lebte und die Genehmigung des Landlords
brauchte, um mitzudürfen. Solche Dinge haben wir nach und nach erfahren
und dadurch immer mehr Einblick bekommen.
Gertrud:
Als sie das erste Mal mit aufs Feld sind, mussten wir ihnen helfen, die
Gummistiefel und Latzhosen anzuziehen, die Arnold ihnen gekauft hatte.
Arnold: Dass die Landlordfrau ihnen dabei hilft, war für sie eine umwerfende Erfahrung.
Ria:
Du hast ihnen auch mal die Schuhe zugebunden und dich dabei vor sie
hingekniet. Für die Inder hatte das eine ganz besondere Bedeutung.
Gertrud:
Damals haben wir auch unsere Oma gepflegt. Als Swarnalatha Devi bei
einem späteren Besuch dabei war, hat sie gestaunt, dass ich alles
gemacht habe: waschen, einreiben, Arznei geben und Füße waschen.
Ria:
Dass du vor deiner Schwiegermutter kniest und ihr die Füße wäschst, war
ja dann auch ein Beitrag des body-theatres.
Gertrud:
Genau, das war in Eppingen bei der Abschlussfeier am Ende des ersten
Besuchs. Wir haben geschrieen vor Lachen, als Yohan gespielt hat, wie
er nicht ins Flugzeug steigen wollte.
Arnold:
Sie haben versucht, uns pantomimisch begreiflich zu machen, was sie
alles empfunden haben. Yohan hat zum Beispiel gespielt, wie er in
Indien auf dem Flughafen stand und sich dachte, eigentlich solltest du
wieder nach Hause gehen. Das ist nichts für dich in so ein Ding da
reinsitzen. Das ist nichts für dich in so ein Ding da reinsitzen. Und
hatte sich schon wieder halb umgedreht - das hat der so dargestellt,
dass du es kapiert hast, ohne dass er etwas gesagt hat. Aber dann hat
er sich vorgestellt, was in seinem Dorf passieren würde, wenn er
zurückkommen würde, ohne dass er in Deutschland war. Dann ist er doch
eingestiegen und völlig gottergeben auf seinem Sitz gesessen. Das war
so fantastisch, wie sie uns das alles vorgespielt haben.
Gertrud:
Oder die Szene mit dem WC. Einige Inder hatten gedacht, man müsse sich
auf die Brille stehen – so wie bei einer indischen Toilette. Damit
wurden auch Unterschiede deutlich, über die man normalerweise nicht so
direkt spricht und an die man manchmal auch gar nicht denkt. Aber als
sie dies spielten, hat man gleich gewusst, was gemeint ist.
Arnold:
Dabei haben wir erstmals so richtig erlebt, was einige Inder für
Begabungen haben, um so etwas darzustellen. Als wir später dann in
Indien waren, haben wir ebenfalls gesehen, wie beeindruckend das ist,
wenn sie in den Dörfern body-theatre vorspielen.
Ria:
Seit diesem ersten Besuch wird Ehrstädt immer wieder von Indern
„heimgesucht“. Ich weiß noch, wie eines Tages Gertrud kam und gesagt
hat: „Ria, der Arnold ist nicht da. Und es kommen wieder Inder. Ich
kann doch kein Englisch, bleib doch bei mir.“ Dann ging die Tür auf und
da standen, Dr. Swarnalatha Devi, Sujartha und Govindaiha. Das war das
erste Mal, dass Frauen dabei waren.
So
nach und nach wurde ich auch immer mehr in die Sache verwickelt. Bei
einem der ersten Besuche, die ich intensiver miterlebt habe, als
Amanath und Venkat eine Woche bei uns waren, da haben diese beiden
unsere Stapel mit 10 bis 12 Ster Holz bestaunt. Sie wollten wissen, was
wir damit machen und wer das geschafft hat. Wir brauchen viel Holz,
weil wir damit heizen. Und als sie erfuhren, dass natürlich Walter das
Holz macht, da stand Amanath den ganzen Tag staunend vor dem Holzstoß
und sagte: „A hard worker, very hard worker“. Dass das nicht
irgendjemand anderes für uns macht, sondern dass wir es selbst gemacht
haben, das hat sie fasziniert.
Erfahrungen in Deutschland
Arnold:
Als unsere ersten Besucher wieder abgereist waren, konnten sie sicher
zuhause einiges weitergeben, was in Deutschland ganz anders ist als in
Indien. Z.B. dass man in Deutschland auch hart arbeiten muss. Sie haben
dann auch immer wieder während ihrer Zeit hier bei uns gesagt, dass sie
das ganz erstaunlich finden, dass uns die gebratenen Tauben nicht in
den Mund fliegen, sondern dass dazu auch harte Arbeit gehört. Ich
denke, die Erkenntnis war schon wichtig für sie.
Wir
haben versucht, durch die verschiedensten Besichtigungen einen Eindruck
von unserem Leben hier in Deutschland und im Kraichgau zu vermitteln.
Wir haben mit ihnen Bauernhöfe besucht, auch solche, die ökologisch
wirtschaften. Wir waren bei Genossenschaften, in Mühlen, Lagerhäusern,
Milchwerken und auch bei der Volksbank. Babu hat sich sehr für das
Genossenschaftswesen interessiert. Friedrich Wilhelm Raiffeisen war
schon ein Begriff für ihn. Auf seinen Wunsch hin sollten wir unseren
Besuchern die Genossenschaftsidee erklären. Wir haben versucht, auch
die kleinen Anfänge in den Dörfern deutlich zu machen, dass eben die
umfangreichen Strukturen, wie wir sie jetzt haben, erst nach einer
langen Entwicklungszeit entstanden sind. Der Aufbau der
Frauenspargruppen und der Mahila-Genossenschaftsbanken folgen diesem
Muster.
Später
bei den vielen Besuchen, die folgten, konnten wir immer wieder erleben,
dass sie alles, was sie bei uns gesehen haben, in irgendeiner Weise für
ihre Arbeit genutzt haben. Z.B. wenn wir mit ihnen Kindergärten,
Altersheime oder auch die Einrichtungen für Behinderte besucht haben,
dann haben sie ihre Beobachtungen in Indien auf die dortigen
Verhältnisse angepasst und dies umgesetzt. Von Anfang an war mir sehr
wichtig, dass nicht wir bestimmen was gemacht wird, sondern dass CARDS
sehr selbstständig nach den eigenen Bedürfnissen entscheiden kann. Denn
sie wissen ja am besten, was notwendig und auch machbar ist.
Die erste Reise nach Indien
Im Winter 1981/82 haben wir dann die 1. Reise nach Indien geplant.
Leider konnten von den ersten Gast-Landwirten nur Frau Filsinger,
Gertrud und ich mitkommen. Von der Bauernschule waren es Lydia Faul,
Monika Schwarz und eine weitere Mitarbeiterin. Außerdem waren noch zwei
junge Landwirte dabei, einer aus Mannheim und einer aus dem Taubertal,
ehemalige Bauernschüler, die CARDS noch nicht kannten.
Als
wir angekommen sind, nachts auf dem Bahnhof, wurden wir von unseren
Gastgebern mit Blumengirlanden empfangen. Wir wurden in Rikschas
verladen mitsamt unserem Gepäck. Es war stockdunkel. Es gab keine
Straßenlaternen. Wir dachten, wo um Gottes Willen wird das hingehen.
Sie sind mit uns durch die dunklen Straßen gesaust, aber alles ist gut
gegangen
Gertrud:
Das war schon ein unvergessliches Erlebnis. Wir saßen zu zweit in einer
Fahrradrikscha. Ich war gespannt in welche Hütte wir kommen. Es hat ja
geheißen, dass wir in den ganz normalen Hütten wohnen werden. Aber dann
waren wir doch alle zusammen untergebracht in einem stillgelegten
Hospital in Ponur. Wir haben sogar ein Zimmer für uns gehabt und
Visvanadam hat jeden Abend Räucherstäbchen angezündet, um die Moskitos
zu vertreiben, wie im Hotel.
Arnold:
Außerdem gab es auch noch die Geckos, die Jagd auf die Moskitos
machten. In Ponur hatte CARDS damals sein Hauptquartier. Es war für uns
eingerichtet mit Feldbetten und mit einer Schwengelpumpe, sodass wir
Wasser hatten. Da haben wir uns dann auch an Schöpfdusche[1]
und ähnliche Dinge gewöhnt. Wir haben dabei auch unsere Erfahrungen mit
diesen speziellen kulturellen Unterschieden gemacht, z.B. haben wir mit
dem WC-Papier die Toilette verstopft.
Margit: Ihr habt es aber dann nicht pantomimisch dargestellt?
Arnold: Nein, das haben wir nicht. Ich glaube, das hätten wir nicht so gut gekonnt.
Ria: Die Versorgung mit Essen und Trinken war ja bestimmt auch ungewohnt?
Gertrud:
Manche waren nicht so glücklich mit dem Essen. Die zwei jungen
Landwirte haben immer gejammert, „Hätten wir nur Marmelade dabei“. Mit
der Zeit hat man sich daran gewöhnt, auch, von Bananenblättern und mit
den Fingern zu essen.
Der
Kaffee war uns immer zu süß und mit soviel Milch drin. Diejenigen, die
englisch konnten, haben immer gesagt, sie wollen keinen Zucker, aber es
hat nicht viel genutzt.
Arnold:
Am ersten Tag haben wir uns mit den Indern, die in Deutschland waren
getroffen. Und da hat sich folgendes abgespielt: Die 4 Landarbeiter,
die wirklich arme Leute waren, haben erwartet, dass sie von uns jetzt
eine Menge Geld bekommen. Die ganze Verwandtschaft und das ganze Dorf
war schon gespannt. Aber so war das ja nicht gedacht. Babu sagte damals
von Anfang an zu mir: „Sie müssen es von dir hören, dass es so nicht
geht.“ Ich habe es dann versucht und gesagt: „So war das nicht gedacht.
Ihr solltet kennenlernen, wie es bei uns zugeht und daraus eure
Schlüsse ziehen, was bei euch anders werden muss.“
Verstanden
haben das eigentlich nur Yohan und Mohan Rao, der damals der erste
Präsident von CARDS war. Beide haben weiter mit CARDS gearbeitet. Einer
der anderen, Georgie ist in seinem Dorf, weil es kein Geld gegeben hat,
so unter Druck gesetzt worden, dass er einfach wegbleiben musste.
Ria:
Ich war einmal in einer ähnlichen Situation: Auf einer großen
Veranstaltung, auf der ich ein paar Worte sprechen sollte und Preise
von CARDS überreicht habe. Wir hatten plötzlich den Eindruck, dass alle
darauf warteten, dass wir Geld oder Geschenke verteilen. Es war eine
Riesenveranstaltung mit Lautsprecherübertragung und mir war ganz
mulmig, weil das ganze Dorf versammelt war. Wir haben uns dann zu dritt
– Sonja Richter, Daniel Herrtwich und ich – überlegt, was wir sagen
sollten. Jesuratnam hat gemeint, wir müssten das den Leuten selbst
sagen, das sei besser so. Die Worte, die wir uns sehr gut überlegten,
habe ich zum Teil heute noch im Kopf. Wir haben gesagt, dass wir nicht
einfach Geld bringen, sondern dass wir CARDS unterstützen, weil wir
davon überzeugt sind, dass der Weg, den CARDS geht, der richtige Weg
ist.
Margit:
Für mich war das immer sehr beruhigend, sagen zu können: wir
unterstützen CARDS. Es bekommt nicht ein einzelner oder eine Familie
Geld als Geschenk oder Almosen das dann verbraucht wird und weg ist,
sondern mit unserem Geld werden dauerhafte Strukturen aufgebaut, die
langsam aber grundlegend und nachhaltig die Lebensbedingungen
verbessern. Durch die lange, kontinuierliche und hartnäckige Arbeit von
CARDS ist unser Vertrauen gewachsen. Jeder, der direkt Geld von uns
möchte, wird an CARDS verwiesen., Er kann dort mitarbeiten und auf
diesem Weg davon profitieren. Schnelles Geld bedeutet ja nicht
unbedingt auch die richtige Hilfe. Oft ist eher das Gegenteil der
Fall.
Arnold:
Mit Sicherheit war es richtig, dass CARDS von Anfang an nur durch
Kredite Hilfen gab. Zuerst hat es uns schockiert, als Babu uns erklärt
hat, dass CARDS unsere Spenden nicht einfach weitergibt, diese
sozusagen als Geschenke verteilt. Das hat er uns gleich von Anfang an
klar gesagt. Als wir dann dort waren und begriffen haben, was dort für
eine Armut herrscht, dachten wir, dass man die Menschen doch nicht
einfach so sitzen lassen kann in ihrer elenden Lage. Aber was wäre die
Alternative gewesen? Jeden Tag Reis verteilen? Wir haben gemerkt, dass
das unmöglich wäre. Das ist höchstens sinnvoll in akuten Notlagen, als
Katastrophenhilfe, wie beim Deevana-Projekt[2].
Man kann dadurch zeitlich begrenzt einzelnen helfen, aber auf diese
Weise blieben die Betroffenen immer noch Bettler und unselbstständige
Almosenempfänger. Wir haben begriffen, dass Babu recht hat, und wir
haben uns darauf verlassen, dass er weiß, was er tut. Es ist für die
Menschen der bessere Weg, ihnen auch ihr „Mensch sein“ und ihre Würde
stärker ins Bewusstsein zu bringen. Damit sie nicht von Geschenken
abhängig sind oder werden, sondern sich aus eigener Kraft Stück für
Stück aus ihrer Armut befreien. Die Erfolge, die sie dabei erlebt haben
und noch immer erleben sind wirklich eindrücklich.
Es
ist schon ein beschwerlicher Weg, den CARDS zurückgelegt hat und noch
weiter geht. Wir haben das aus Deutschland solidarisch verfolgt und
sind auch schrittweise mitgegangen. In den Anfängen haben wir CARDS als
eine Organisation kennen gelernt, die in erster Linie mit
Erwachsenenbildung gearbeitet hat, mit Abendschulen für Männer und
Frauen. Wir haben gelernt, dass die Geschlechter getrennt sein müssen,
dass Frauen von Frauen unterrichtet werden müssen, denn sonst dürfen
sie gar nicht kommen.
CARDS
hat damals eine Schule gegründet, die es aber heute nicht mehr gibt.
Das Gelände wurde CARDS von einem Landlord zur Verfügung gestellt. Es
ist erstaunlich, dass doch auch immer wieder unter den Landlords
Menschen sind, die verstanden haben, dass dies wichtig und richtig ist.
Es war eine Schule für die Dalit-Kinder, aber es wurden auch Kinder aus
anderen Kasten aufgenommen. Weil ein sehr guter Unterricht angeboten
und ab der ersten Klasse bereits Englisch unterrichtet wurde, waren
tatsächlich 3 oder 4 Kinder von Landlords dabei. In dieser
Ganztagsschule haben die Kinder auch miteinander gegessen. Es ist
wirklich so weit gekommen, dass Kinder von Landlords neben
Dalit-Kindern gesessen haben und mit ihnen aus einer Schüssel gegessen
haben, was ansonsten undenkbar ist. Derartige Beispiele zeigen, dass es
immer wieder Versuche gab, Grenzen zu überschreiten.
Margit: Einfach ist das bis heute nicht.
Kulturelle Unterschiede
Arnold:
Für uns war das auch nicht so leicht zu durchschauen, was alles im
indischen gesellschaftlichen System nicht selbstverständlich ist, bzw.
was alles dazugehört. (Um uns dies zu demonstrieren, war Babu sehr
erfinderisch. Wir sind einmal an einen Staudamm gefahren und waren dort
in einem Gästehaus eingeladen. Dort haben wir dann erlebt, wie ein
Hochkastiger alle Hebel in Bewegung setzte, um uns von CARDS
wegzubringen. Er hat uns den ganzen Nachmittag mit Whisky genötigt, auf
uns eingeredet und das Blaue vom Himmel herunter versprochen: Tausend
und Eine Nacht, mit Frauen usw., das schönste Leben. Das ist mir dann
so auf den Geist gegangen, dass ich raus gegangen bin. Draußen auf der
Straße ist Babu spazieren gegangen. Da habe ich ihn ziemlich hart
angefahren, wie er auf die Idee kommt, uns mit so einem Kerl zu
konfrontieren. Er hat sich amüsiert, denn gerade das war ja seine
Absicht. Wir haben dann doch dort gegessen und übernachtet. Auf diese
Weise hat er uns solche Dinge ganz handfest zu demonstriert, sonst
hätten wir es wahrscheinlich gar nicht so schnell begriffen, was das
Kastensystem eigentlich ist.
Margit:
Solche Situationen, in denen die kulturellen Unterschiede krass zum
Vorschein kommen, bemerkt man gar nicht immer. Das führt dann oft zu
Missverständnissen. Oft sind es Kleinigkeiten, du weißt nicht, wann du
jemand wie anschauen oder anlächeln darfst und wann nicht, bzw. was das
auslösen kann. Jemand, der dir was verkaufen will, lächelst du
freundlich an, bewunderst seine Ware, sagst lächelnd „Nein“, denn du
willst nichts kaufen und wunderst dich, dass du ihn nicht mehr los
wirst. Zuhause beschwerst du dich dann über die aufdringlichen Inder.
Dabei hast du selbst mit deinem Lächeln Kaufinteresse signalisiert.
Du
beurteilst das, was dir begegnet in der Regel mit deinem persönlichen
oder individuellen Erfahrungshintergrund und überträgst es zunächst
einmal. So einfach ist es aber nicht, weil die Lebensbedingungen so
sehr unterschiedlich sind. Unberührbarkeit ist keine gesellschaftliche
Erfahrung in unserem Teil der Welt. Wir haben keinen Blick dafür. Wir
wundern uns z.B., dass die Inder erkennen können, ob sie einen Dalit
oder eine Kastenhindu vor sich haben. Natürlich gibt es auch bei uns
Menschen, die sich nicht gemeinsam an einen Tisch setzen würden und die
sich aus dem Weg gehen, aber das hat dann eher persönliche Gründe.
Durch die Begegnungen und Gespräche lernen wir immer mehr über das
Leben in Indien und nehmen die Unterschiede besser wahr. Man fängt auch
an über den eigenen Lebensstil nachzudenken und was man da in Frage
stellen kann. Es gibt ja auch einiges, das die Inder an unserem Leben
merkwürdig finden.
Arnold:
Das würde ich auch sagen, dass man für sich selber kapiert, dass es
nicht so selbstverständlich ist, wie wir hier leben. Es entwickelt sich
ein anderes Weltbild und allmählich werden die Zusammenhänge besser
begreifbar.
Was
sich in den vergangenen Jahren immer mehr gefestigt hat, ist für mich
die sichere Erkenntnis, dass das, was CARDS macht, richtig ist. „Dalit
is dignified“, das ist die Grundlage. Die Erfahrung der eigenen
Wertlosigkeit und die Stigmatisierung als „unberührbar“ muss
abgeschüttelt werden, erst dann können die Dalits daran glauben, dass
Veränderungen hin zum Besseren möglich sind.
Und
die Menschen müssen merken, dass sie etwas davon haben. So wie sie
jetzt durch die „Vision 2020“ mit Krediten für die Frauen einen Weg aus
dieser absoluten Armut herausfinden und durch eigene Anstrengungen ihre
Lebensbedingungen grundlegend verbessern können. Diese Erfahrungen
verhindern mit Sicherheit auch ein Abgleiten in Terrorismus. Der
kontinuierliche Aufbau von Strukturen, bei dem möglichst viele Menschen
einbezogen werden, ist zwar mühsam, aber ich denke, es ist das richtige
Vorgehen.
CARDS hat es vor allem durch die Cultural Programs, die Bildungsarbeit und nicht zuletzt durch die Thrift-groups[3]
fertig gebracht, dass die Dalits an die eigene Würde als Mensch
glauben. Das hat einen Prozess der Veränderungen in Gang gesetzt, den
man gar nicht hoch genug einschätzen kann.
Margit:
Der Möglichkeit, sich aus dem Elend und der Armut zu befreien, steht ja
entgegen, dass jeder in sein Schicksal und seine Kaste hineingeboren
ist und dass dies unabänderlich sei. Mittlerweile arbeiten die Dalits
daran, ihre Situation zu verbessern – und sie erleben, dass Veränderung
möglich ist. Wie war das denn so in der Anfangszeit?
Arnold:
Das war außerordentlich schwierig und es ist ja auch heute noch eine
Gratwanderung. Denn die wirtschaftlichen Verbesserungen im Leben der
Dalits und auch, dass sie nun vermehrt ihre Rechte in Anspruch nehmen,
bedeutet auf der anderen Seite, dass jahrtausendealte Privilegien
beschnitten werden. Keiner lässt sich gerne etwas wegnehmen, sei es
materiell oder die Macht, über andere zu bestimmen. Selbst als Christen
haben Dalits erlebt, dass das Christentum sie nicht automatisch aus
diesem „unberührbar sein“ befreit hat. Dass sie auch in den Kirchen zu
den Untersten gehörten, war sicher auch eine große Enttäuschung. Sie
haben sich sogar teilweise Nachteile eingehandelt, weil die Gesetze,
die den Dalits Reservationen in gesellschaftlichen und beruflichen
Bereichen als Dalits unter Hindus garantieren, nicht für Christen
gelten, weil sie somit nicht mehr unter die Kasten gezählt werden. Das
ist eben in der Realität nicht immer einfach. Trotzdem hat die
christliche Botschaft der Gleichheit und der Befreiung erst den Weg
aufgezeigt, der weiterführt und den CARDS konsequent und friedlich
verfolgt, auch in Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Religionen.
Ria:
Das ist auch in unserer Zusammenarbeit ein wichtiger Aspekt. Bei
unserem Partner handelt es sich um eine christliche Organisation, die
nicht versucht, Menschen anderer Religionen etwas überzustülpen oder
sie zu bekehren, sondern die immer versucht, die anderen Religionen und
ihre Gläubigen zu respektieren.
Arnold:
Die Menschen wissen, dass sie aus dem Christentum und seinen Werten
leben und dass Christen wie Father Hayer und Schmitthenner ihnen erst
die Möglichkeit eröffnet haben, lernen zu können und Zugang zu Bildung
zu haben. Dies war die wesentliche Grundlage für alle Entwicklungen und
Veränderungen.
Ria:
Vor allem auch für die Bewusstseinsbildung, die ich in Indien immer
wieder als wichtigen Baustein erlebe.
Arnold:
Das Alphabetisierungsprogramm hat CARDS ja am Anfang mit der Methode
von Paolo Freire durchgeführt. Das allein hat schon zu einer
Bewusstseinsänderung geführt. Wir haben ja alle Heimatdörfer unserer
ersten Gäste besucht. Georgies Dorf lag innerhalb von zwei Kanälen und
war dadurch so abgegrenzt, dass es schwer zu erreichen war. Es war
regelrecht abgeschottet gegen die Umwelt. Dort haben Mitarbeiter von
CARDS versucht, durch body-theatre und mit ihren Liedern die Männer von
der Idee einer Abendschule zu überzeugen.
Ria: U.a. auch mit „Randi“, dem großen Lied.
Arnold:
Die Texte haben wir nicht verstanden, aber man hat gemerkt, dass die
Menschen beeindruckt waren, dass sie zuhörten und auch darüber redeten.
Gründung des Vereins
Nach
unserer ersten Reise ist zweifellos klar geworden, dass es wichtig ist,
an dieser Sache weiterzumachen. Wir haben gesagt, wir bleiben da dran
und sammeln Geld. Frau Emmerling hat sich bereit erklärt, die
Kasse zu führen. Wir haben zunächst für die allgemeine Arbeit von CARDS
Geld gesammelt. Im ganzen Bereich der Badischen Landeskirche haben wir
bei allen Arbeitskreisen gebettelt, ob sie 3 Jahre lang eine Art
Selbstbesteuerung machen würden und jedes Jahr 100 DM spenden. Das hat
auch funktioniert, sie haben von uns die Informationen bekommen und
haben mitgemacht. Aber als Herr Emmerling aus der Bauernschule
ausgeschieden ist, war ungewiss, wie der neue Leiter der Bauernschule
eingestellt sein wird, ob er dabei ebenfalls mitwirkt. Deshalb haben
wir uns entschlossen, den Verein zu gründen, damit CARDS auf jeden Fall
weiter unterstützt werden kann. Damals, bei der Gründung 1986 hieß der
Verein „Partnerschaft in der Dritten Welt e.V. – Hilfe zur
Selbsthilfe“. Die Gründungsmitglieder wählten mich zum Vorsitzenden.
Ich
habe dann überlegt, wen man noch für die Mitarbeit gewinnen könnte.
Dieter Eitel war zu der Zeit gerade aus Afrika zurückgekommen, wo er im
Entwicklungsdienst gearbeitet hatte. Ich habe zu ihm gesagt: „Sie waren
doch in Afrika? Wir unterstützen eine indische Selbsthilfeorganisation
in Indien und wollen einen Verein gründen. Da könnten Sie doch
Kassierer werden.“ Dieter war wohl schon etwas überrumpelt, hat aber
schließlich ja gesagt. Darüber war ich sehr froh.
Margit:
Meinen Mann Rainer und mich hast du ja auch so ähnlich eingefangen. Wir
hatten damals einen Eine-Welt-Arbeitskreis gegründet, bei dem du auch
regelmäßig dabei warst. Irgendwann hast du erzählt, dass euch im Verein
jemand fehlt, der Schriftführer werden könnte und ich habe dann
schließlich „angebissen“. So im Nachhinein glaube ich, dass du nur zum
Arbeitskreis gekommen bist, um zu sehen, ob du jemand für den Verein
und CARDS gewinnen kannst.
Arnold:
Das kann gut sein. Man muss halt jede Gelegenheit nutzen. Das waren
schon wichtige Fragen in der Anfangszeit: Wie kann man Leute gewinnen,
dabei mitzumachen, wie kommt man Spenden?
Ideen und Aktionen
Ria:
Da habt ihr euch einiges einfallen lassen. Ganz zu Anfang habt ihr doch
auch Altpapiersammelaktionen durchgeführt?
Arnold:
Ja, wir hatten damals einen gut funktionierenden Jugendkreis in
Ehrstädt, den ich ein paar Jahre geleitet habe, weil zu dieser Zeit
kein Pfarrer da war. Wir haben Altpapiersammlungen durchgeführt, die
sehr erfolgreich waren. Dabei haben wir das Altpapier in der
Schulscheuer zwischengelagert. Damals ist das noch ganz gut bezahlt
worden.
Dann
gabs die Aktion „Palmen statt Kracher“. Eine Clique, die sich um
Christiane Kamps vom jetzigen Hotel Kamps in Ehrstädt gebildet hatte,
hat das einige Jahre durchgeführt. Der Buchdrucker Barrier aus Sinsheim
hat uns die notwendigen Informationszettel kostenlos gedruckt. Wir
wollten die Leute dazu bringen, ihr Geld zum Neuen Jahr nicht für
Feuerwerk auszugeben, sondern es für CARDS zu spenden. Das hatte auch
einigen Erfolg. Auch bei Leuten, die sich sonst kein Feuerwerk kauften,
war das ein guter Aufhänger für unsere Sache. Mit den Spenden wurden
damals in Indien Kokospalmen gepflanzt.
Margit:
Am Anfang kamen die Spenden mehr aus dem engeren Bekanntenkreis, aus
der Bauernschule und dem kirchlichen Umfeld. Jeder, der eine Idee
hatte, hat dazu beigetragen, dass etwas zusammengekommen ist.
Ria: War das Geld am Anfang nicht hauptsächlich für den Collegebau in Deenapur?
Arnold:
Ja, aber Mittel gingen auch in die allgemeine Arbeit von CARDS, v.a. in
die Erwachsenenbildung. Die Idee mit der College-Gründung hat Babu 1983
an mich herangetragen. Eines seiner Hauptziele dabei war es,
Mitarbeiter für die Umsetzung der Dorfentwicklungsarbeit zu gewinnen.
1984 konnte er mit 14 Studenten anfangen.
Bei
der Erwachsenenbildung wurde CARDS auch von „Brot für die Welt“
unterstützt. Für das College gab es zunächst keine Zuschüsse. Erst als
die ersten 2 bis 3 Ausbildungs-Jahrgänge abgeschlossen waren und
entsprechende Ergebnisse gebracht hatten, wurde der Bau der Gebäude
durch die EZE[4]
gefördert. Wir haben dann versucht, die allgemeinen laufenden Kosten
aufzubringen. Das war der Anfang und dann kam eins zum anderen.
Als
nächstes kam Babu und hat gesagt, dass er dringend Wohnheimplätze für
Mädchen braucht, weil es undenkbar ist, dass Mädchen und Jungen
gemeinsam untergebracht sind. Er hat ein Gelände in Guntur gefunden und
brauchte nun Geld dafür. Ich habe gesagt, dass ich dann Pläne brauche,
die zeigen, wie das aussehen soll. Die hat er mir geschickt und Rudi
Buntzel - er war ja auch mitverantwortlich, dass der Kontakt zwischen
der Bauernschule und CARDS entstand - hat mich auf den „Roth-Ausschuss“
der beiden Landeskirchen Baden und Württemberg hingewiesen. Dieser
Ausschuss entscheidet über die Vergabe von Entwicklungshilfegeldern,
die den Kirchen vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg zur
Verfügung gestellt werden. Die Leitung hatte Pfarrer Roth aus
Pforzheim, den ich von früher kannte. Ich habe ihn angerufen, ihm mein
Anliegen geschildert und ihm dann Pläne und Kostenvoranschlag
geschickt. Er hat es im Ausschuss vorgebracht. Dort wurde es genehmigt
und daraufhin haben wir dann vom Wirtschaftsministerium
Baden-Württemberg 75% der Kosten erstattet bekommen. Die fehlenden 25%
hat der Verein aufgebracht. Mit diesen Mitteln wurde das Wohnheim
gebaut.
Bei
der Einweihung hat der Kanzler der Universität in Guntur Babu dazu
angeregt, daraus ein Frauencollege zu machen, da dringend Collegeplätze
für Frauen benötigt werden. Babu hat mir dann – dieses Mal schon gleich
– die Pläne geschickt und ich bin noch mal zu Pfarrer Roth gegangen und
habe noch einmal versucht, Mittel zu bekommen. Und wir hatten noch
einmal Glück. Später war das dann leider nicht mehr so. Den
Roth-Ausschuss gibt es nicht mehr. Lydia hat es später einmal mit einem
Antrag bei der EU versucht und Margit, du hast einen Antrag beim
Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg eingereicht. Beides war ein
Riesenaufwand und beide Anträge wurden leider abgelehnt.
Margit:
Ja, das war schon enttäuschend, vor allem, weil wir ja in beiden Fällen
auch noch Veränderungen vorgenommen haben, die gewünscht wurden. Wir
mussten die Anträge 2-3mal überarbeiten. Das hat sich so lange
hingezogen, viel Arbeit gemacht und dann wurden die Anträge trotzdem
abgelehnt. Diese Arbeit würde ich mir nicht mehr machen. Bei der
derzeitigen Finanzlage ist das so eine unsichere Sache, dass der
Aufwand sich nicht lohnt.
Glücklicherweise
haben sich für uns andere Wege aufgetan, z.B. die Unterstützung durch
die Cronstetten-Hynspergische Stiftung und die Betty-Huber-Stiftung. Es
ist ein Unterschied, ob in einem Amt Bürokraten sitzen,
die Papier bearbeiten oder ob hinter einer Organisation Menschen
stehen, die sich von einer Idee begeistern lassen.
Ria:
Auch die Zusammenarbeit mit Ulrike und Harald Paeper vom Mosbacher
Verein mit dem ähnlichen Namen „Partnerschaft In Einer Welt e.V.“, der
dort den „Eine-Welt-Laden“ betreibt, hat CARDS viel gebracht - Spenden
und vor allem auch die Kontakte zu den „Johannes-Anstalten Mosbach“,
einer Einrichtung für Behinderte. Harald Paeper ist es sogar noch
einmal gelungen, für die Augenoperationen der Aktion „500 Augen sehen
wieder“ Zuschuss aus öffentlichen Mitteln zu bekommen. Der
Schwerpunkt der Unterstützung von CARDS durch diesen Verein liegt jetzt
im Bereich von verschiedenen Gesundheitsprojekten.
Arnold:
Es ist wirklich erstaunlich, wie unser Verein zusammen mit CARDS
gewachsen ist und sich entwickelt hat. Es war uns immer ein wichtiges
Anliegen, CARDS’ Aktivitäten zwar zu diskutieren, sicherlich, aber wenn
wir einsehen, dass das gut und richtig ist, diese auch ohne große
inhaltliche Einflussnahme zu unterstützen, weil wir immer das Vertrauen
gehabt haben, dass unser Partner mit den Geldern, die er von uns
bekommt auch verantwortungsvoll umgeht. Ich erinnere mich, dass Babu
einmal anlässlich irgendeiner Sitzung in Indien gesagt hat, „An diesem
Geld klebt der Schweiß deutscher Arbeiter. Das bedeutet, dass ihr mit
diesen Geldern sorgfältigst umzugehen habt.“ Das hat er ganz klar und
deutlich gesagt, auch von daher habe ich immer volles Vertrauen gehabt.
Ria:
Das Vertrauen hat ja mit den Aktivitäten wachsen können. Als ihr den
Verein gegründet habt, hat man ja „nur“ an Aktionen gedacht wie
Altpapier sammeln, „Palmen statt Kracher“, gelegentlich mal eine
Kollekte in einer Kirchengemeinde. Das war für die Beteiligten im
Verein und auch für die Spender überschaubar. Heute überlegen wir uns
im Vorstand, welches Projekt oder welcher Arbeitsbereich von CARDS
welche Adressaten und Zielgruppen ansprechen könnte.
Margit:
Ein weiteres Projekt, das für CARDS und auch für den Verein einen
ziemlichen Aufschwung gebracht hat, waren die „Thrift-Gruppen“ und die
„Vision 2020“. Dadurch hat sich CARDS enorm – auch räumlich –
ausgebreitet und an Bedeutung gewonnen.
Ria:
Dabei haben die Frauen eine ganz große Rolle gespielt, die Entwicklung
voran zu bringen.
Arnold:
Ja, in der Beziehung hat es ganz große Fortschritte gegeben. Es ging
bei CARDS immer schon um die Frage der Rolle der Frauen, ihre
Schwierigkeiten und Möglichkeiten. Die Bildungsarbeit für Frauen
erschien eigentlich zunächst als eine wenig erfolgversprechende und
unerreichbare Sache, weil Dalit-Frauen vielfach benachteiligt sind und
weder in der Gesellschaft noch in ihren Familien etwas zu sagen haben.
Dass bei uns früher die Situation der Frauen auch nicht unbedingt ein
Zuckerschlecken war, sieht man z.B. an dem alten Sprichwort: „Weiber
sterben bringt kein Verderben, aber Gäul verrecken das bringt
Schrecken“. Da hat sich auch bei uns einiges geändert und an manche
Zustände von früher denkt man heute gar nicht mehr.
Als
wir bei einer unserer ersten Reisen ein Dorf besuchten, haben Frauen
einen Auftritt vorbereitet. Wir haben es damals miterlebt, wie der Mann
einer der Frauen kam und sie von der Bühne zerrte. Sie durfte in der
Öffentlichkeit nicht auftreten. Das war die Situation vor ca. 20
Jahren, dass diese Frau ziemlich brutal nach Hause getrieben wurde.
Ganz anders dagegen eine zweite Begebenheit, 10 Jahre später, als eine
Frau selbstbewusst eine Rede an die Männer gehalten hat. Die
Entwicklung war ganz deutlich zu sehen. Als sie das Mikro genommen und
losgelegt hat, habe ich gespürt, jetzt wandelt sich etwas. Es hat einen
Wert, was die Frauen machen. Es ist ein Bewusstseinswandel im Gange,
der unwahrscheinlich fest sein wird. Dieser Wandel ging weiter, bis
dahin, dass z.B. Frauen ihre eigene Ziegelei aufgemacht haben und ihre
Männer als Angestellte eingestellt haben. Das ist ein ungeheurer
Durchbruch - schon allein, dass die Männer das akzeptieren. Das hat
mich immer gewundert und ich habe Babu oft gefragt: „Wie kommt das
eigentlich, dass die Männer nicht dagegen protestieren, dass sie sich
das gefallen lassen.“ Da hat er nur gelacht und gesagt, „Die merken
eben auch, dass es die Frauen besser können“.
Margit:
Diese Szene, ist mir auch sehr gut im Gedächtnis geblieben. In einem
großen Zelt waren eine Menge Leute versammelt. Wir saßen mit unserer
Besuchergruppe auf dem Podium. Als die Frau spontan ans Mikrophon ging,
war zu spüren, dass dies so nicht eingeplant war. Die Männer sind ganz
nervös geworden und wollten sie zurückhalten. Sie ließ sich aber nicht
zurückhalten und ergriff das Wort. Swarnalatha Devi hat ihr ermutigend
zugenickt. Die Frau hat betont, wie wichtig es sei, die
Kinder in die Schule zu schicken. Die Frauen hätten das verstanden,
aber die Männer seien so rückständig und müssten das auch endlich
begreifen. Die Frauen haben alle gelacht und geklatscht, und den
Männern war das alles sichtlich unangenehm.
Arnold: Das war für mich wirklich der
Wendepunkt in Richtung Verbesserung. Ich denke, die ganze weitere
Entwicklung wäre ohne diesen Bewusstseinswandel bei den Frauen nicht
möglich gewesen.
Margit:
Als ich 1999 zum zweiten Mal in Indien war, habe ich in einem Dorf bei
einer Thriftgruppen-Versammlung gesagt: „Ihr könnt stolz auf das sein,
was ihr geschafft habt. Wenn ich zurückkomme nach Deutschland werde ich
berichten, dass indische Dalit-Frauen das Gesicht ihrer Dörfer
verändern.“ Man hat das den Dörfern auch wirklich angesehen, wo CARDS
gearbeitet hat und wo es Thriftgruppen gab. Und die Erfolge haben dann
ja auch immer mehr Frauen dazu gebracht mitzumachen.
Ria:
Wichtig war dabei auch, dass auf diese Weise die Kinder vom Zwang zur
Kinderarbeit befreit werden und zur Schule gehen können.
Margit:
Die Ausweitung der Arbeit von CARDS in dieser Phase war für den Verein
eine Herausforderung, die uns einiges abverlangt hat. Am Beginn stand
die „Aktion 33“, bei der wir dazu aufgerufen hatten, 33 DM für die
Einrichtung einer Frauenspargruppe zu spenden. Das war noch ein
überschaubarer Betrag für die Spender und das Konzept der Spargruppen
hat viele überzeugt. Als es dann aber darum ging, 2020 mal 200 DM für
den Start der „Vision 2020“ zusammenzubringen, haben wir uns zuerst
total überfordert gefühlt. Unser Jahresspendenaufkommen lag
durchschnittlich bei 60.000 bis 70.000 DM. Jetzt ging es um eine Menge
mehr Geld, um insgesamt 404.000 DM.
Arnold:
Dafür die Verantwortung zu tragen, gab es viele Bedenken. Zu recht.
Aber wir haben es gemeinsam getragen, weil wir letztendlich überzeugt
waren, dass es funktionieren kann. Die Entscheidungsfindung im Vorstand
und der Beschluss zur Aufnahme eines Kredits zur Finanzierung der
„Vision 2020“ bei der Mitgliederversammlung 1999 war dramatisch, das
kann man schon so sagen. Nachdem die Entscheidung dafür gefallen war,
haben sich einige Vereinsmitglieder gefunden, die dem Verein zinslose
Darlehen gegeben haben, sodass der weiterhin aufzubringende Bankkredit
niedriger sein konnte. Für diesen Bankkredit haben darüber hinaus
genügend Vereinsmitglieder für Beträge um jeweils 10.000 oder 20.000 DM
gebürgt.
Wir
sind da nicht blauäugig drangegangen. Ich habe Erfahrung in diesen
Dingen und habe auch mit der Bank gesprochen. Ich habe keine Angst
gehabt, dass wir da scheitern könnten. Aber dass es dann in der
folgenden Zeit so schnell zu bewältigen war und im Anschluss an die
Tilgung dann wieder Geld frei wurde für anderes, das hätte ich nicht
gedacht. Ich habe damals zu Babu gesagt: „Du musst dir im Klaren sein,
solange wir diese Kredite nicht getilgt haben, geht nichts anderes.“
Wir haben gerechnet, dass es 5 bis 6 Jahre dauern wird, bis wir soviel
Spenden zusammen haben würden. Im Januar/Februar 2000 haben wir das
Geld nach Indien überwiesen und schon Anfang 2003 hatten wir alle
Kredite zurückzahlen können.
Margit:
Das hätte keiner gedacht, außer vielleicht Lydia, die von Anfang an
davon überzeugt war und sich sehr stark dafür gemacht hat. Wir hatten
Bedenken, dass der Betrag von 200 DM zu hoch ist für unsere Spender,
die oft nicht gerade „überflüssiges“ Geld im Geldbeutel haben. Aber es
war dann tatsächlich so, dass sich auch Leute zusammengetan haben, z.B.
Schulklassen oder Frauengruppen. Die „Vision 2020“ und der Betrag von
200 DM, bzw. heute 100 € hat einiges an Energien und Ideen
herausgefordert.
Die Unterstützung wächst
Arnold:
In diesen beinahe zwei Jahrzehnten ist der Verein enorm gewachsen. Mit
einigen Landwirten hat es angefangen. Die sind auch zum größten Teil
immer noch dabei. Auch die Gruppen und Kreise im Bereich der
evangelischen Kirche waren und sind immer noch ein wichtiges Standbein.
Es gibt Frauengruppen und Kirchengemeinden, wie z.B. Welzheim und den
Kirchenbezirk Sinsheim mit einigen Kirchengemeinden, die regelmäßig
CARDS unterstützen. Der kirchlich-landwirtschaftliche Rahmen ist immer
noch eine Klammer, die den Verein zusammenhält. Aber in den letzten
Jahren hat unser Verein diese „Grenze“ längst überschritten und ist
auch in andere gesellschaftliche Bereiche vorgedrungen.
Wichtig
sind mir vor allem die Kontakte zu Schulen. Ich nehme sehr gerne
Einladungen von Schulen wahr und habe schon vor vielen Schulklassen
Dia-Vorträge gehalten. Für die Schüler ist das eine willkommene
Abwechslung vom Unterricht und das Interesse ist bei den meisten groß.
Aus manchen Kontakten ergeben sich längerfristige Unterstützungen, wie
z.B. mit der Kraichgau Realschule in Sinsheim, der Carl-Orff-Schule
Sinsheim und der Pestalozzi-Realschule in Mosbach oder auch einzelne
Aktionen wie im letzten Jahr die „Eine-Welt-Nacht“ im Gymnasium in
Eppingen.
Durch
Diavorträge können wir sehr viele Menschen ansprechen. Es kann und will
ja nicht jeder nach Indien fliegen und die Fotos, unsere Geschichten
und Erfahrungen vermitteln ein ganz gutes Bild. Auch Lydia Faul, Ria
Paulus, Margit Nitsche, Steffi König und viele andere aus dem Verein
gehen zu Dia-Vorträgen in Kirchengemeinden, Schulen, zu Privatpersonen
usw., um CARDS bekannt zu machen. So hat CARDS’ Idee schon weite Kreise
gezogen.
Mittlerweile
haben wir über 150 Mitglieder und über 300 Adressen von Spendern, die
uns immer wieder kleinere und auch größere Beträge zukommen lassen. Der
Verein hat sich inzwischen an vielen Stellen in Deutschland
ausgebreitet. Viele aktive Mitglieder, die umgezogen sind, haben uns
„mitgenommen“ und sind an ihren neuen Wohnorten weiter aktiv. Dort
gewinnen sie neue Spender und auch Mitglieder.
Über
die Jahre hinweg gab es die unterschiedlichsten Entwicklungen. Jochen
Timmer z.B., lernte CARDS auf einer Weltmissionskonferenz in Sri Lanka
kennen. Er wurde Gründungsmitglied und machte CARDS’ Arbeit in der
Wuppertaler Kirchengemeinde bekannt, in der er damals als
Jugendreferent arbeitete. Durch ihn entstand dann auch ein Kontakt zum
Predigerseminar in Wuppertal. Im September/Oktober 1995 reiste eine
Gruppe vom Prediger-Seminar nach Indien. Angeregt wurde die Reise von
unserem Vereinsmitglied Ravinder Salooja, der damals Vikar war und
CARDS selbst schon besucht hatte. Eberhard Mechels leitete die Reise
und neben 7 Vikarinnen und Vikaren war auch Brigitte Krahe (als
Angestellte des Prediger-Seminars) mit dabei. Am 10.06.1996 wurde
offiziell die Nord-West-Gruppe ins Leben gerufen, die sich unserem
Verein anschloss und seitdem mit einem Vertreter / einer Vertreterin im
Vorstand mit dabei ist.
Mit
dem Umzug Eberhard Mechels drang der Verein bis in den hohen Norden
nach Ostfriesland vor. Schon lange dabei ist auch Gebhard Schwägerl,
der die bayrische Fraktion vertritt.
Praktikantinnen und Praktikanten
Margit:
An der flächenhaften Ausbreitung sind auch die Reisegruppen und die
Praktikantinnen und Praktikanten beteiligt. So manche junge Menschen
haben in Indien Erfahrungen gemacht, die sie in ihrer Entwicklung
geprägt haben. Nicht alle bleiben dabei, aber doch sehr viele, die sich
dann in verschiedener Weise auch im Verein engagieren. Steffi König ist
da ein Beispiel, Sigrun Landes-Brenner, Monika Waldmann (ehemals:
Sandhöfner), Sonja Richter-Münch, Ria Paulus, Maria Nitsche, um nur ein
paar zu nennen.
Auch
für diejenigen, die nicht mehr so jung zu unserem Verein stoßen, sind
die Besuche bei CARDS beeindruckend und oft der Anstoß für ein
längerfristiges Engagement.
Arnold:
Wenn ich daran denke, wie Yvonne Bär und Sigrun Landes 1984 zu mir
gekommen sind. Das waren ja noch junge Mädchen. Ich hatte einen Vortrag
bei den Mennoniten in einem Jugendkreis gehalten. Zwei Tage später sind
die beiden gekommen und waren felsenfest entschlossen, sich die Arbeit
von CARDS in Indien direkt anzuschauen und ich sollte dies in die Wege
leiten. Es war das erste Mal, dass jemand auf so eine Idee kam und wir
waren nicht sicher, ob wir das unterstützen können, aber die beiden
hatten keine Zweifel, dass sie das schaffen. Ich sagte, sie sollen erst
einmal ihre Eltern fragen. Von dieser Seite gab es keine Probleme. Die
Eltern waren überzeugt, dass ihre Kinder in Gottes Hand sind.
Ria: Das waren die ersten beiden und danach kam Steffi König?
Arnold:
Ja, und nach Steffi kamen noch zahlreiche Praktikantinnen und
Praktikanten zu CARDS, teilweise über unseren Verein oder auch durch
die ESG (Evangelische Studentengemeinde) der Fachhochschule Frankfurt
und von der Katholischen Fachhochschule für Sozialarbeit in Mainz.
Für
den Verein sind die Praktikanten mit eine Gewähr dafür, dass die Arbeit
zukunftsgerichtet weitergehen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere
neue erste Vorsitzende, die ja ihre engagierte Mitarbeit im Verein auch
als Praktikantin begonnen hat und die im Anschluss zu Wort kommt.
Ich
freue mich jedenfalls sehr, dass die Leitung unseres Vereins auch
weiterhin in zuverlässigen Händen liegt und dass die Unterstützung von
CARDS weitergehen kann. Aus den bisherigen Erfahrungen heraus, schaue
ich zuversichtlich in die Zukunft.
Mit Arnold und Gertrud Paulus sprachen Margit Nitsche und Ria Paulus.
Bearbeitung: Margit Nitsche und Jens Brenner
Übersetzung: Hilary Greif und Jens Brenner
3. Die nächste Generation
Steffi König, 1. Vorsitzende, stellt sich vor
Nach
meinem Schulabschluss 1986 entschloss ich mich, für einige Zeit in ein
Entwicklungsland zu reisen. Da ich Indien von vielen Fotos, die mein
Vater während einer Studienreise durch Nordindien gemacht hatte, her
kannte, fiel meine Entscheidung auf Indien.
Das
entscheidende Gespräch fand in der Bauernschule Nordbaden zwischen
Lydia Faul und mir statt, die mir eines Tages eher zufällig von dem
Entwicklungshilfeprojekt CARDS erzählte. Sie berichtete von deren
Arbeit und auch, dass sei gerade dabei waren, einen Förderverein zu
gründen. Ich war Feuer und Flamme, wollte ich doch Indien nicht nur als
normaler Tourist bereisen, sondern auch wirklich etwas vom Alltagsleben
der Menschen dort mitbekommen. Es schreckte mich auch nicht ab, als ich
hörte, dass ich bei CARDS unter einfachsten Bedingungen leben sollte.
Vom Kastenwesen hatte ich zwar in der Schule gehört, jedoch so richtig
vorstellen konnte ich mir darunter nichts. Obwohl ich mich auf meine
Reise dann im Oktober 1986 gut vorbereitet, unzählige Bücher über
Indien gelesen und mit vielen Freunden von CARDS gesprochen hatte,
trafen mich im Nachhinein die Eindrücke in Indien völlig unvorbereitet
– ein echter Kulturschock. Nach 4 Monaten als Praktikantin bei CARDS
und weiteren 4 Wochen als Rucksackreisende durch Indien, haben sich
jedoch Bilder und Erfahrungen bei mir eingeprägt, die ich bis heute
nicht vergessen habe. Trotz all der Armut und dem Leid, das ich sah,
werde ich immer wieder die freudigen Gesichter der Kinder sehen, die
bei CARDS-Veranstaltungen einen Stocktanz mit stolzerfüllten Augen
vorführten oder die Lehrer am Rural Christian Junior College, die mir
nach einem harten 14 Stunden Tag abends noch begeistert von ihrer
Tätigkeit und ihren Erfahrungen erzählten. Bei meiner Rückkehr nach
Deutschland war mir klar, dass ich diese Arbeit in Indien weiter
unterstützen wollte und ich wurde sogleich Mitglied bei „Partnerschaft
in der einen Welt – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.“.
Diese
Reise hat mich auf meinem weiteren Weg geprägt, mir die Welt auf der
anderen Seite gezeigt und mir bewusst gemacht, was ein Glück ich hatte
z. B. nicht als Dalit geboren worden zu sein. 1996 wurde ich zum
Mitglied im Vorstand gewählt und war im Bereich Öffentlichkeitsarbeit
und der Mitgliederzeitung unseres Vereins aktiv. Während dieser Zeit
fand meine 2. Reise nach Indien statt anlässlich des 20. Jubiläum von
CARDS. Ich war tief beeindruckt von den Veränderungen, die CARDS in
den letzten 12 Jahren seit meiner 1. Reise bewirkt hatte.
Ähnlich
wie sich in den letzten Jahren die Gewichtung bei der Arbeit von CARDS
verändert hat, haben sich auch die Aufgaben des Vereins spätestens seit
der „Vision 2020“ erweitert.
Im
Frühjahr 2003 wurde ich zur 1. Vorsitzenden gewählt. Mit Ria Paulus als
zweite Vorsitzende vollzog sich damit ein Generationswechsel im Verein
„Partnerschaft in der einen Welt – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.“ Wichtig
für uns ist es, dass Ria und ich den Verein partnerschaftlich führen
und im Team mit dem Vorstand, sowie mit weiteren engagierten
Mitgliedern die kommenden Aufgaben bewältigen. Wir sind sehr froh, dass
wir für die verschiedenen Arbeitsbereiche kompetente Menschen haben,
die sich engagiert und mit Umsicht den Herausforderungen stellen.
Siegfried
Funk hat als Kassenwart die Verantwortung für die Spenden und die
Finanzen übernommen, ein Amt, das Dieter Eitel lange Jahre innehatte.
Dieter Eitel steht nun als Beisitzer dem Verein zur Verfügung und
unterstützt Siegfried Funk.
Margit
Nitsche ist als Schriftführerin zuständig für die Vereins-Protokolle.
Sie hat die Faltblätter erstellt und die Weihnachts-Briefe an die
Spender mit gestaltet.
Waltraud
Huber war schon bei den ersten Gastfamilien und ist als
Gründungsmitglied seit Bestehen des Vereins als Beisitzerin dabei.
Brigitte
Krahe ist als Beisitzerin neben ihrer Aufgabe als Vertreterin der
Nordwestgruppe für den Postversand der Mitgliederinfos zuständig.
Sabine
Hans hat bei ihrem langen Indienaufenthalt ein besonderes Gespür für
die indische Gesellschaft und Kultur entwickelt und sehr gute Kontakte
aufgebaut. Sie hat auch die Verantwortung für die Mitgliederzeitung
übernommen, die Steffi nach ihrer Wahl zur 1. Vorsitzenden abgegeben
hat.
Neu im Vorstand als Beisitzer, aber schon lange Mitglied im Verein ist Hans-Eckhard Bucher.
Arnold
Paulus, begleitet und berät den Verein als Ehrenvorsitzender weiterhin.
Gemeinsam werden wir den Verein in seinem Sinn weiterführen und auch
nach den Erfordernissen, soweit es in unserer Macht steht,
weiterentwickeln.
Bei
einem rückblickendem Gespräch mit Jesuratnam über die Entwicklung von
CARDS unterstrich er die anfängliche Bedeutung von Bewusstseinsbildung
bei der Arbeit mit den Dalits („Dalit is dignified“ als Schlagwort) als
Grundlage für den Kampf um Menschenrechte und gegen die Armut. Die
Problematik der Frauen und Kinderarbeit waren schon von Anfang an
bewusst. Die Grundlagen, etwas dagegen zu unternehmen, wurden aber erst
im Laufe der Jahre aufgebaut durch die Ausbreitung der Arbeit und das
Engagement der StudentInnen in ihren Heimatdörfern und –regionen. Durch
den Strukturwandel und die zunehmende Mechanisierung in der indischen
Landwirtschaft, rückte in den letzten Jahren der Kampf gegen die Armut
immer mehr in den Vordergrund. Das „Thrift Programm“ legte den
Grundstein für die „Vision 2020“, das als Income Generation Programme
nachhaltig die Lebensbedingungen tausender Dalitfamilien verbessert.
Damit wird nach 25 Jahren das verwirklicht, was schon am Anfang Vision war.
Die
Weiterentwicklung von CARDS stellte auch uns vor immer größere
Herausforderungen. Die in vielen Jahren gewachsene Freundschaft gibt
uns den Mut und die Zuversicht uns auch in Zukunft neuen
Herausforderungen zu stellen. Wir wünschen CARDS für ihre weitere
Arbeit alles erdenklich Gute.
Für das gesamte Vorstandsteam
Steffi König Ria Paulus
1. Vorsitzende 2. Vorsitzende
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